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Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

 
 

Unsere Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund

Seit Mai 2016 gibt es in unserem Kindergarten dreimal in der Woche Deutschunterricht für ausländische Kinder in zwei kleinen Gruppen zu je vier bis fünf Kindern. 

Finanziell wird der Unterricht von der Stadt Königswinter aufgrund einer Firmenspende ermöglicht.

Frau Granitzki hat sich dieser Aufgabe angenommen und in Zusammenarbeit mit dem KiGa - Team ein tolles Lernprogramm erarbeitet. 


Deutsch lernen macht Spaß - ein Bericht von Irmgard Granitzki

Da drei- bis fünfjährige Kinder mit schriftlichem Unterricht nichts anfan­gen können, arbeiten wir mit Bildkarten in Postkartengröße. Die farbigen Karten stellen Gegenstände und vor allem Situationen des täglichen Lebens dar, die Kindern vertraut sind und für die sie den passenden Wortschatz benötigen. Beispielsweise ein Haus, einzelne Zimmer, unterschiedliche Kleidungsstücke, Geschirr und Besteck. Auch Bilder vom Straßenverkehr sind dabei, wie ein Kind ihn erlebt: Zu Fuß, auf dem Roller oder Fahrrad, beim Überqueren der Straßen, sowie Einsätze der Feuerwehr oder der Polizei. Sogar ein Besuch beim Arzt oder im Krankenhaus wird gezeigt. Die Vorbereitung auf den Schulbesuch mit den dafür benötigten Dingen wie Heften, Büchern, Stiften darf natürlich für die älteren Kinder auch nicht fehlen.

Zur Begrüßung vor jeder Stunde hat sich eine bei den Kindern sehr beliebte Gewohnheit bewährt. Eine lustige Olchi-Figur aus Keramik geht von Hand zu Hand und jedes Kind sagt mit Hilfe des Olchis allen ande­ren „Guten Morgen“. So beginnt das Erlernen der deutschen Sprache mit guter Laune und unter Beteiligung jedes einzelnen Kindes.

Dann besprechen wir wechselnde Themen anhand der Karten. Jedes Kind beschreibt so gut es kann die Gegenstände oder die Situation. Erst einmal sollen die Kinder selbst die Initiative ergreifen und ein Erfolgserlebnis haben. Erst später korrigiere ich, wenn wir mit Geduld und ständiger Wiederholung die  bekannten und die neu erlernten Begriffe noch einmal durch ­sprechen. Die drei verschie­denen Artikel vor den Substantiven sind dabei für die Kinder eine echte Herausforderung.

Zur Abwechslung werden dann unterschiedliche echte Gegenstände unseres täglichen Lebens wie Becher, Löffel, Teller, kleine Autos aufge­baut und jedes Kind sucht sich etwas aus, das ihm oder ihr besonders gefällt und versucht, die passende Bezeich­nung dafür zu finden. Nicht immer gelingt dies auf Anhieb auch mit der richtigen Aussprache, aber die Kinder lernen schnell, korrigieren sich gegenseitig und sind mit Konzentration bei der Sache.

Wenn diese einmal nachlässt, lasse ich alle die Augen schließen. Dann werden die Dinge anders angeord­net, das eine oder andere Teil weg­ genommen und durch ein neues ersetzt und zum Schluss wird alles mit einem Tuch abgedeckt. Jetzt dürfen die Augen wieder geöffnet werden und Fühlen ist angesagt. Jedes Kind darf beschreiben, was es unter der Decke erfühlt und die richtigen Worte dafür finden. Besonders beliebt und problemlos haptisch erkannt und korrekt beschrieben werden das Polizei- und Feuerwehrauto!

Etwas an die Tafel zu schreiben geht bei Vorschulkindern noch nicht. Ein wichtiger Bestandteil jeder 4550 Minuten dauernden Stunde ist deshalb das Malen. Jedes Kind malt Dinge und Situationen, die es auf den Karten gefunden hat oder Gegenstände, die ihm oder ihr auf dem Tisch besonders gefallen haben, fantasievoll in vielen bunten Farben nach. Häufig zeichne ich die Konturen vor, um den Kindern das Ausma­len zu erleichtern. Sorgfältige Vorbereitung, gute Ideen und Geduld sind wichtig für die Vermittlung der Sprache unseres Landes an die kleinen Menschen. Gleichzeitig ist dies aber auch sehr bereichernd und macht auch mir großen Spaß, denn, wie ein indisches Sprichwort sagt: Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück als Glück.

Mit Musik geht vielleicht nicht alles besser, aber auf jeden Fall erleich­tert sie das Erlernen der Sprache. Wenn ein munterer Kinderchor auf einer CD mit einer mitreißenden Melodie zum Aufstehen, Arme heben, Springen, Klatschen, Füße bewegen, an den Händen fassen und Mitsingen auffordert, prägen sich diese Worte den Kindern spielerisch ein und werden mit  fröhlichem Lächeln immer wieder mitgesungen. Nochmal, Nochmal rufen dann Alle. Diese Stunde mit Musik findet immer mittwochs statt, kombiniert mit Vorlesen. Dabei können dann auch die anderen Kinder unseres Kindergartens mitmachen. Dieses Lernen der Sprache mit Musikbegleitung ist eine kindgerechte und wirksame Hilfe beim Deutsch lernen.