Gemeinde leben

Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

 
 

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Ganz anders müsste man leben!

Jeder kennt diesen Gedanken. Wir alle haben ihn schon gedacht. Vielleicht haben wir ihn auch schon ausgesprochen, nicht laut, nicht hinausposaunt, aber doch gesprochen, hörbar für uns, für den Partner, den Freund, die Freundin, die Kollegen.

Ganz anders müsste man leben.
Der Gedanke ist in uns drin.
Hat sich festgesetzt.
Gibt es doch gute Gründe für diesen Gedanken.
Auch wenn er noch kein Vorsatz ist, wenn er noch kein Hand und Fuß hat.
Aber immerhin: hier und da ein kleiner Versuch, hier und da ein paar Erfahrungen von Anderssein.
Jedenfalls ist er als Sehnsucht nicht mehr wegzukriegen.
Und wir gießen sie in Form.

Mal die Koffer packen, Tickets lösen, den Wohnanhänger beladen: Rauskommen.
Was anderes sehen.
Alle Viere von sich strecken.
Tief durchatmen.
Die Seele baumeln lassen – ein schönes Bild.
Die Seele baumeln lassen.
Eindrücke sammeln: Eine See, dem ich auf den Grund sehen kann.
Ein Sternenhimmel auf freiem Feld.
Stille, in der ich mir tatsächlich selbst begegnen kann.
Klare Luft, die meinen Körper von innen heraus reinigen kann.
Fremde Sprachen, Kulturen, Traditionen – sie bereichern ungemein.
Weit weg gelingt es uns manchmal anders zu sein – ganz anders leben zu können.
Weit weg vom Diktat der Uhr, vom Anspruch der Arbeit, von den Routinewegen, den Routinegriffen, den Routineblicken…
Weit weg von allem Gewohnten, von allem Eingefahrene können wir uns darin einfinden, darin eingewöhnen, darin einleben, einmal ganz anders zu sein.

Was würde passieren, wenn wir unsere Träume radikaler leben würden?
Vielleicht so, wie die Jünger Jesu, die Sicherheiten haben fahren lassen, um ein einfacheres Leben zu erproben. Es ist ein Wagnis. Es ist ein Abenteuer.
Zahlt es sich aus?
Natürlich wissen wir, dass wir hier keine Rechnung aufstellen können.
Materiell gibt’s nicht zu gewinnen.
Aber es könnte geistiges Wachstum geben, oder seelisches Zufriedenheit, sinnstiftende Erkenntnis.

Was würde passieren, wenn wir den Aufbruch oder den Ausbruch wirklich umsetzen würden?
Die Welt umsegeln
Nach Kanada ziehen.
Oder nur an die Nordsee.
Den Bürojob gegen die Staffelei eintauschen.
Den Vorgarten gegen einen Weinberg.

An den Ort gehen, nach dem ich mich sehne.
Das tun, das lernen, wozu ich mich gerufen fühle.

Bleiben da nicht mehr Fragen, als mir lieb sind.
Was?
Wenn?
Wozu?
Wie weit?
Wie lange?
Wie oft?
Wie viel?
Bleiben da nicht mehr Sorgen und Befürchtungen, als wir verkraften?

Da sagt Jesus seinen Jüngern, die ihre Sicherheiten aufgegeben haben: „Sorgt euch nicht um den morgigen Tag. Der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ (Mt 6)

Das ist eine Ermutigung, den Sehnsüchten Vertrauen zu schenken und sich nicht an die Sorgen und Fragen  zu verlieren.

Jetzt liegen ein paar Wochen vor Ihnen, die nur darauf warten, dass wir sie anders füllen. 
Ein bisschen nur.
Das können wir uns zumuten.
Ein klein wenig.
Ein klein wenig über den Tellerrand.
Es muss nicht viel sein.
Ein kleiner Schritt.

Holen Sie diesen Traum zurück. 
Und leben sie ihn wieder neu.
Sie haben ja Zeit dazu.

Noch eine Ermutigung:
Das Größte in deinem Leben beginnt damit, 
dass du hörst und dass du fragst,
dass du suchst und niemals davon ablässt,
dass du in dich gehst und entdeckst.