Gemeinde leben

Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

 
 

Rückblicke auf unsere Veranstaltungen zum 500. Reformations-jubiläum in Oberpleis


Themengottesdienst "Was würde Luther dazu sagen?" am 18. Juni 2017

„Reformation ist eine bleibende“ Aufgabe und die Kirche ist eine, die immer erneuert werden muss. Denn vieles, was Martin Luther vor 500 Jahren angestoßen hat, ist heute ebenfalls bedenkenswert.

Und vieles, was ihn zur Reaktion bewogen hat, ist heute noch aktuell – ungebrochen, wie eh und je.

Was liegt deshalb näher, Luther selbst in einem Gottesdienst zur Sprache kommen zu lassen? Pfarrer Heiko Schmitz griff einfach einmal auf die Sozialethik Martin Luthers zurück und dessen sprachliche Wucht und Klarheit, mit der er zu seiner Zeit Christen und Fürsten aufrüttelte. Die biblisch-reformatorischen Motive, mit denen Luther den aufkommenden Frühkapitalismus kritisierte, haben auch gegenwärtig eine bedrängende Aktualität, denn die neoliberalen Wirtschaftsstrategien, die in den Wirtschaftszentren dieser Welt überdehnt wurden, stürzten viele Staaten in eine destabilisierende Dauerkrise. Dazu kommen Religionskriege, Ukraine-Krise, IS-Terror, Flüchtlingsproblematik, wirtschaftliche und nationale Abschottung… All das  drängt zu einer radikalen Reform der gesellschaftlichen und politischen Prozesse.

Hätte Luther dazu etwas zu sagen?

Begonnen hat es bekanntermaßen mit seinen 95 Thesen im Jahre 1517 und mit seiner Kritik an der Ökonomisierung des Heils. Das wäre heute angesichts der globalen Diktatur des Kapitals und der Vergötzung des Geldes im individualistischen Lebensstil zulasten der Armen wiederum einzubringen.

Mit der Schrift „Von Kaufshandlung und Wucher“ geht er 1524 noch einen Schritt weiter, wird konkreter und kritisiert die bis heute übliche Orientierung des Warenpreises am Gesetz von Angebot und Nach-frage. Luther wehrt sich gegen diese Preisgestaltung, weil dabei keine Rücksicht auf den Grundbedarf der Schwachen genommen wird. Deshalb plädiert er für den gerechten Preis, der sich am Wohlergehen des Nächsten orientiert.

Heute nennen wir diese Intention „Fair Trade“ - Gerechter Handel.

Nach Luther soll das Handeln im weltlichen Regiment „recht und billig“ sein, wozu auch das ökonomische Handeln zählt.

Politik und Wirtschaft sollen sich dabei an der Goldenen Regel

(Matthäus 7,12) orientieren, wie sie von Jesus in der Bergpredigt bekräftigt wird: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihr ihnen auch!“

Für Luther ist das einerseits christliche Pflicht, andererseits zugleich ein Gebot der Vernunft. Er beklagt die korrupten Zustände seiner Zeit und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund

Hat die Gestaltungsverantwortung der Politiker wirklich Priorität gegenüber den Winkelzügen der ökonomischen Eliten?

Zweifel sind angebracht.

Im Großen Katechismus beklagt er, wie die großen Handelsgesell-schaften mit falscher Ware, Maß, Gewicht, Münze betrügen und übervorteilen.

Wer denkt da nicht sofort an die Korruptionsskandale und Affären einiger Banken und Autohersteller?

Luther nimmt hellsichtig wahr, wie in der damaligen Feudalgesellschaft frühkapitalistisches Wirtschaften nicht nur den einzelnen Menschen zu einem gierigen Subjekt verdirbt.

Schonungslos brandmarkt er die Tatsache, dass einige Wenige nur das Geld für sich arbeiten lassen und sich einer sozialen Verantwortung entziehen.

Luther ist als Mann des Wortes sensibel genug um festzustellen, dass

sogar die Sprache zu seiner Zeit einem Missbrauch unterzogen wird wenn es darum geht, fragewürdige Lebensentwürfe zu rechtfertigen

Parallelen zur Gegenwart drängen sich uns dabei auf: „ Tatsächlich sind fast alle Laster leider heute zu Tugenden geworden. Geizig sein muss jetzt heißen: tüchtig sein, vorbildlich handeln, bescheiden  sein.“

Beı uns heißt es heute nicht anders: „Geiz ist geil!“

Verbindlicher Maßstab seiner Kritik an den damaligen Zuständen ist für Luther die Heilige Schrift mit ihrem Christus-Zeugnis. Es gilt „sola scriptura“, es gilt das Doppelgebot der Gottes- und Nächsten-liebe (Lk 10,27). Jesus selbst bringt es auf den Punkt:  „Niemand kann zwei Herren dienen: entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem Einen hängen und den Andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Mt 6,24)

Martin Luther entfaltet diese zentrale Position Jesu mit seiner Erklärung im Großen Katechismus zum 1. Gebot (1529): „ Worauf du nun dein Herz hängest und verlässest, das ist eigentlich dein Gott . .. Es ist mancher, der meiner, er habe Gott und alles genug, wenn er Geld und Gut hat.  Siehe: dieser hat auch einen Gott, der heißet Mammon, das ist Geld und Gut, darauf er all sein Herz setzet.“

In der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ (1520) öffnet Luther uns das Herz und den Sinn für den Nächsten. Es ist eine verbindliche, verantwortliche Freiheit, die sich für die Gemeinschaft engagiert: „Sieh, so fließt aus dem Glauben die Liebe und die Lust zu Gott und aus der Liebe ein freies, williges, fröhliches Leben, dem

Nächsten umsonst zu dienen.“

Das Doppelgebot der Gottes -und Nächstenliebe soll die Gewissen der Einzelnen schärfen und sich im Alltag praktisch bewähren, zugunsten eines gelingenden Lebens in wechselseitiger Solidarität.

Überhaupt: die Theologie Luthers rückt den Mensch in den Mittel-punkt. Mit der Betonung des individuellen Glaubens, der individuellen Gewissensentscheidung, der Aufforderung zum aktiven Nächsten-liebe, traut er dem Einzelnen zu, seine Fähigkeiten einzusetzen und das Gemeinwesen mitzugestalten. Mit diesem Menschenbild wird Luthers Ansatz und das, was im Folgenden von anderen Reformatoren weiterentwickelt wurde, zu einem Teil des Fundaments, auf dem sich die Menschenrechte, die Aufklärung und die moderne Demokratie entwickelt haben.

Freiheit und Mitgestaltung sind unerlässliche Treiber des gesellschaftlichen Wandels.

Der obrigkeitlichen, staatlichen Gewalt schreibt Luther die Aufgabe zu, unnachgiebig und gerecht für Frieden, Schutz und Sicherheit ihrer Bürger zu sorgen und stets Rechenschaft über ihr Tun anzulegen.

Aber wehe, wenn sich die weltliche Obrigkeit in Glaubensangelegenheiten oder in die Religion einmischen! Die Seele steht allein unter Gottes Gewalt.

Ein Nein zu allen Formen, in denen Politik religiös überhöht wird. Darum auch ein striktes Nein zu einem christlichen, einem islami-schen Gottesstaat.

Luther unterscheidet strikt: Religion darf nicht für politische Zwecke instrumentalisiert werden, ebenso wenig zur Legitimierung von Macht oder gar Gewalt.

In seiner berühmten Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ kann Luther dann sagen: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Und: Ein Christ ist ein dienstbarer Knecht aller und jedermann untertan.“

Freiheit und Verantwortung sind für Luther nicht zu trennen. Das eine bedingt das andere.

So ist es nicht verwunderlich, dass so manche in seiner Freiheitsschrift die Grundlagen für eine „Ethik und Ökonomie des Genug“ erkannten, die viele Kirchen unserer Zeit für eine Chance halten, sowohl der Klimakatastrophe als auch der zunehmenden Ungerechtigkeit zwischen Reich und Arm etwas entgegenzusetzen.

Diese „Ethik des Genug“ hat zwei Stoßrichtungen: Sie setzt sich zum einen dafür ein, dass jeder Mensch genug für sein leibliches Leben hat. Unsere „guten Werke“ sollen sich darauf richten, dass unser Nächster (und ist in einer globalisierten Welt jeder Mensch!) alles hat, was ihm zum Leben und zum Wohlergehen des  Leibes nötig ist.

Die andere Seite der „Ethik  des Genug“ richtet sich auf uns selbst.

Wir Christen in den reichen Ländern der Erde leben sowohl inwendig als auch äußerlich in „voller Genüge“ und umfassendem Wohlstand.

Es braucht nicht viel, um sich gut und geborgen zu fühlen.

Wer vom Überfluss umstellt ist, lebt am besten nach der Devise: Weniger ist mehr!!!

Je deutlicher uns dies bewusst ist, je stärker wir das erfahren und spüren, desto mehr ergibt sich daraus eine freie  Selbstbegrenzung im Hinblick auf Reichtum und Konsum.

Ein gutes Leben ist aus christlicher Sicht ein dankbares Leben, das durch die Erfahrung „voller Genüge“ frei wird, jedermann untertan zu sein.

Martin Luther ist nicht nur der Prediger des allgemeinen Priestertums aller Glaubenden, sondern auch der Prediger des allgemeinen Diakonissen- und Diakonentums aller Christenmenschen.

Vielleicht gilt es diese Predigt nach 500 Jahren Reformation wieder neu zu hören und zu leben. 


Meine Familienbibel erzählt ... Austausch über Familienschätze

Pfarrer Heiko Schmitz hatte im Rahmen der Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum zu einem Austausch über sorgsam gehütete Familienschätze eingeladen: Bibeln, die schon seit Generationen im Besitz sind und ganz persönliche Bezugspunkte für unser Leben haben.  Viele alte und neue Bibeln markieren entscheidende Punkte unserer Biographie.

Fast alle Teilnehmer hatten eine Bibel dabei, mit der Geschichten, Ereignisse, aber auch berührende Erlebnisse verknüpft waren. 

Eine Auswahl an alten Bibeln mit persönlichen Widmungen zur Konfirmation, Hochzeit und anderen Anlässen durfte in die Hand genommen und erkundet werden: getrocknete Blumen, wie Enzian oder Pfeilchen dienten als Lesezeichen, Losungskarten, Kalenderblätter waren Zeitzeichen vergangener Tage, persönliche Anmerkungen und Notizen bezeugten eine intensive Beschäftigung mit dem Wort Gottes. Beeindruckend war die Entdeckung, dass eine handschriftliche Widmung aus dem Jahre 1935 von Pfarrer Martin Niemöller in Berlin-Dahlem den frisch getrauten Eheleuten die überreichte Bibel ans Herz legte.

Neuere und schon fast wieder vergessene Bibelübersetzungen rundeten das Bild ab. Übereinstimmung herrschte bei den Teilnehmern darüber, wie sehr das Wort Gottes in seiner lebendigen Ausrichtung nicht nur tröstend ist, sondern zur Lebensgestaltungen anregt und eine Lebenshaltung finden lässt, die sinnstiftend ist.  

Die Bibel weit mehr als ein Buch mit vielen Texten, sie ist ein "Glaubensgasthaus" (Fulbert Steffensky), in das wir eintreten durften und uns mit unseren kleinen und großen Hoffnungen geborgen wissen.                                                                                                      Bericht: Pfarrer Schmitz


Kinderbibelausstellung in unserem Kindergarten

Viele verschiedene Kinderbibeln, von alt bis modern, mit viel Text ober als Bilderbuch, waren in unserem Kindergarten zum anscheuen und anfassen ausgestellt und erfreuten sich großer Beleibtheit bei den Kindergartenkindern und Ihren Eltern.

Die Ausstellung wird auch noch in unserer Spielgruppe gezeigt werden.


9. Oberpleiser FamilienKinderKirche (29. April 2017, 16.00 Uhr)

"Martin - einer, der mutig wurde" - eine FamilienKinderKirche zum Reformationsjubiläum

mehr dazu hier


Von der Freiheit eines Christenmenschen - Lektüre (14. März 2017, 19.30 Uhr)

In gewohnt unterhaltsamer Weise führte Pfarrer Schmitz die interessierten Zuhörer an Luthers Werk "Von der Freiheit eines Christenmenschen" heran. Nach der Lektüre folgten zwei Abende in denen die Reflektion auf die heutige Zeit im Vordergrund standen.


Literarisch-musikalischer Bistro-Abend (12. März 2016, 18.00 Uhr)

"Mein lieber HERR Käthe!"

In den großen Saal unseres Gemeindehauses hatten sich viele Interessierte eingefunden um Doris Meyer (Rezitation), Hartmut Nasdala (Bariton - Gesang) und Christian Ludwig (Klavier) in die Lutherzeit zu folgen und Luthers Frau, Katharina von Bora, näher kennen zu lernen.

Bei einem guten Glas Wein, Wasser oder Saft wurden die Zuhörer in das Eheleben Martin Luthers entführt in der Luther seine Gattin oftmals mein lieber Harr Käthe genannt hat.

"Ich wollte meine Käthe nicht um ganz Frankreich und Venedig mehr hergeben, darum weil Gott sie mir geschenkt und mich ihr gegeben hat." (Martin Luther)

Mit Liedern aus dem 16. Jahrhundert oder sogar von Luther selbst wie "Wohl kombt der Mai", Wach auf, mein´s Herzens Schöne" oder "Mitten wir im leben sind" und Texten von "Briefen an seine Frau", Auszügen aus "Die Lutherin" oder aus "Tischreden"  verging dieser musikalisch-literarische Abend fast schon zu schnell.


Filmabend mit anschließendem Gespräch (16. Februar 2017, 19:30 Uhr)

Zur zweiten Veranstaltung unserer Reihe zum Reformationsjubiläum hatte Pfarrer Schmitz einen Filmabend zum Thema: Allein der Glaube. Zukunft durch Rückkehr

Zahlreiche Mitglieder der ev. und kath. Kirchengemeinde besuchten den Filmabend zum Thema „Allein der Glaube, Zukunft durch Rückkehr“.

 

Nach einer kurzen Einführung durch Pfarrer Heiko Schmitz schauten wir uns den 7. Teil aus dem Dokumentarfilm aus der Reihe „2000 Jahre Christentum„ an.
Im Film wurde sehr anschaulich der politische und wirtschaftliche, aber auch der religiöse und kulturelle Hintergrund der Reformationszeit dargelegt.    
Luthers Denken und sein Handeln wurden auf diese Weise verständlich, ebenso die Wirkungsgeschichte.
In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde das Motto des Filmes besprochen und seine Bedeutung für die heutige Zeit.                                                                     Bericht und Fotos: Karin Klink

 


Vortrag zum Thema: 95 Thesen - wie es anfing (19. Januar 2017, 19.30 Uhr)

Auftakt zu den Veranstaltungen in Oberpleis war der Themenabend zum Thema: 95 Thesen - wie alles anfing

Pfarrer Heiko Schmitz stellte den 34 Teilnehmern im großen Saal des Gemeindehauses auf seine gewohnte Art das Wirken und Leben Martin Luthers vor, während und nach dem Thesenanschlag in Wittenberg vor.

Als Bergmannssohn geboren, auf Wunsch des Vaters Student der juristischen Fakultät Erfurt und nach dem "Gewittergelöbnis" zum Bruder des Kloster der Augustiner-Eremiten  in Erfurt geworden, waren die ersten Stationen im Leben und Wirken Luthers.

Mit Aufnahme seines Theologiestudiums an der Universität Wittenberg widmete sich Luther theologischen Fragen und reiste 1511 in Ordensauftrag nach Rom.

Wendepunkt und Beginn seines reformatorischen Wirkens war die Entdeckung des Prinzips der Gerechtigkeit Gottes sola gratia (allein aus Gnade) und gipfelte in den 95 Thesen mit denen er seine Haltung zu Kirche und Ablasshandel öffentlich machte.

Pfarrer Schmitz führte die Besucher durch die 95 Thesen, erläuterte diese oft mit einem schmunzeln und zeigte ihnen auch die zeitgeschichtlichen Hintergründe von Luther - Papst - Fugger und Politik.                                                                                                          Bericht und Fotos: Kai Zielke