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Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

 
 

Religion für Einsteiger - Interessantes zum kennen lernen...

     

Wer ist ein Christ?

Von "Christen" redeten erstmals die Großstädter aus Antiochien (Apostelgeschichte 11,26). Sie meinten damit die Leute, die den gekreuzigten als Messias verehrten. Vermutlich war die Wendung auch herablassend gemeint: "Christenpack". So, wie der jüdische König Agrippa das Wort verwendete, als er den Apostel Paulus vorpredigen ließ. Agrippa hörte ihm eine Weile zu, dann spottete er: "Es fehlt nicht viel, und du hättest einen Christen aus mir gemacht" (Apostelgeschichte 26). Erst ein halbes Jahrhundert nach Paulus münzten die Jesusjünger das Wort um - vom Spott- zum Ehrentitel.

Wer also ist ein Christ?

Unter Tausenden findet sich kaum ein rechter Christ, behauptete Martin Luther. Denn wo alle Welt rechte Christen wären, bräuchte es keine Fürsten und kein Recht. Mit dem Heiligen Geist im Herzen erleide man lieber Unrecht, als sich mit Gewalt zu wehren.

Schon Jesus warf all denen Selbstgerechtigkeit vor, die sich als die besseren Gläubigen präsentierten. Ihnen erzählte er das Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner: Beide beten im Tempel. Der Pharisäer dankt Gott, dass er nicht wie die Räuber, Betrüger und Ehebrecher ist, sondern gewissenhaft seinen religiösen Pflichten nachgeht. Der Zöllner dagegen bittet Gott demütig um Vergebung - und erweist sich als der wahre gerechte (Lukas 18, 9-14). das Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner zeigt: Nicht Erlösungsgewissheit macht den Christen aus, sondern die Offenheit, sich ganz Gott anzuvertrauen.

Ähnlich scharf sagte es der Theologe Karl Barth (1886-1968). Religion sei Unglaube und somit gottlos: "Indem wir Gott auf den Weltenthron setzen, meinen wir uns selbst. Indem wir an ihn "glauben", rechtfertigen, genießen und verehren wir uns selbst. Unsre Frömmigkeit besteht darin, dass wir uns selbst und die Welt feierlich bestätigen..." Erst wo diese Selbstvergottung erschüttert werde, erst im Zweifel und in der Ohnmacht, entstehe Raum für den ganz Anderen, für Gott. "Der Christ ist das in uns, was nicht wir sind, sondern Christus in uns." Vielleicht sind gerade diejenigen, die Christus auf der Spur sind, besonders zögerlich, sich selbst auch Christen zu nennen.


BURKHARD WEITZ, aus "chrismon", das Monatsmagazin der Evangelischen Kirche

www.chrismon.de