Gemeinde leben

Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

 
 

Angedachtes... ein Anstoß zum Weiter-denken

 

Da kommt mir  so ein Gedanke…Begegnungen, Ereignisse, Gehörtes, Gesehenes, Erlebtes ... der Tag ist voller bedenkenswerter Momente... Es lohnt sich, Gedachtes festzuhalten… 
Da kommt mir so ein Gedanke…ich möchte Sie einladen, „weiter zu denken“ und das Angedachte als Anregung aufzunehmen, oder als Mitteilung zu prüfen, oder als Widerspruch festzuhalten, oder als Beitrag zu bereden… 

In regelmäßigen Abständen möchte ich an dieser Stelle Angedachtes zum Weiter-denken anbieten. Ich freue mich über Ihre Gedanken.

 

Heiko Schmitz, Pfarrer
heiko.schmitz(at)ekir.de


Liebe Gemeinde,

in der Nacht zu Bethlehem haben sich die Hirten von einem Kind anrühren lassen. Ein Kind hat ihr Herz erweicht, weil sie spürten, in diesem Keim ist Großes angelegt. Sie haben diese Anrührung nicht für sich behalten: „Und sie breiteten das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.“ Denn die Hirten wussten, dass Gott in diesem Kind unser Herz erreichen will.

Darauf zielt Weihnachten nämlich ab: Eine neue Herzlichkeit unter den Menschen! Ein neuer, anderer Geist, der unser Tun und Lassen bestimmt. Denn Gott weiß ja um unsere Hartherzigkeit.

Er weiß um die verschlossenen Herzen, kennt unsere verzagten Herzen und die trüben Gedanken und die bösen Ideen und das schreckliche Gebaren und das friedlose Unterfangen und die maßlosen Umtriebe und das ungerechte Verhalten und das egoistische Unterlassen und das feige Abtauchen und das geistlose Gerede.

Gott kennt auch das Verleumden und das Verfälschen, das Lügen und Betrügen, das Verleugnen und Verteufeln.

Gott hat ein großes Herz. Es geht auf. Es quillt über. Es verschenkt sich. Es gibt sich preis.

Gott hat ein weites Herz. Es schließt alle ein. Es erbarmt sich über uns. Es drückt sich aus in seiner grenzenlosen Liebe.

Deshalb hat Gott ein Einsehen. Ja, er hat einen verwegenen Plan:

Ein neues Herz, einen neuen Geist! Damit das mit der Herzlosigkeit und der Geistlosigkeit endlich aufhört. Weihnachten – das ist die Geburtsstunde einer neuen Herzlichkeit!

Für uns ist diese Erkenntnis wichtig. Nur so können wir unser Tun und Lassen neu bedenken. Nur so können wir unserer Sehnsucht nach Veränderung Raum geben. Nur so können wir den zerstörerischen Folgen von menschlicher Selbstherrlichkeit und Schuld begegnen. Nur so können wir dem Lug und Trug widerstehen und Einhalt gebieten.  Vielleicht erahnen wir auf diese Weise auch die große Geisteskraft von Weihnachten: „… und sie wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten.“ 


Ihr Pfarrer Heiko Schmitz


Vorfreude

Vorfreude heißt: Die Freude wirft ihr Licht voraus.

Unbestreitbar ist die Adventszeit die Zeit der Vorfreude. Sie ist eine Zeit voller Spannung. Immerhin leben uns die Kinder diese Advents-Spannung vor. An ihnen können wir aufs Neue lernen, wie Vorfreude uns in Atem halten kann.  

Die Vorfreude hat allerdings wenig mit der Geschäftigkeit zu tun, der wir immer wieder gerade in der Adventszeit zu erliegen drohen.  

Die Vorfreude ist mehr verpackte, verhüllte Freude.

Mit ihr kann sich unsere Phantasie noch voll befassen. Das tut ihr ungeheuer gut. Denn unsere Vorfreude lebt von dem, was auf uns zukommt: Die Geburt Jesu. Davor muss uns nicht bange sein.


Die Ankunft Gottes braucht keine Umtriebigkeit, keine Unruhe, kein Gedränge, kein Geschiebe - schon gar keine Verzweiflung.

Gott erwartet auch nicht, dass wir uns in Unkosten stürzen.

Gott freut sich über unsere Bereitschaft, mit seiner Ankunft zu rechnen. Er hat Verständnis für unsere Schwäche und hat schon längst darauf reagiert. Sein Angebot einer erfüllten Freude begegnet uns in der Gestalt eines kleinen Kindes. In diesem Kind liegen für uns viele unerschlossene Möglichkeiten. Vor allen Dingen nimmt es uns die Angst. Dieses Kind ist ein besonderes Hoffnungsgut. An ihm entfaltet sich Gottes unbedingter Friedenswille: „...Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königsthron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit…“


Es ist wohl wahr: Die Adventszeit will uns dem Geheimnis des Weih-nachtsfestes näher bringen. Das Geheimnis liegt in Gottes menschen­freundlicher Zuwendung. Ergründen können wir dieses Geheimnis nur, wenn wir es voller Erwartung tun. Die Erwartung findet ihren Ausdruck in der Vorfreude. Beide – Erwartung und Vorfreude – sind wie Lichter in der Adventszeit, die uns und anderen den Weg weisen.


Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Ihr Pfarrer Heiko Schmitz