Gemeinde leben

Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

 
 

Jahreslosung 2019


Gott spricht: 

Suche Frieden und jage ihm nach!    Psalm 34, 15b


Was tun wir nicht alles „um des lieben Friedens willen“? 
Er ist kein Dauergast, der einfach so mit am Tisch sitzt und ein friedliches Miteinander garantiert. Weder in unseren Familien und unserer Gesell­schaft, noch in unserer Welt, auch nicht in unseren Kirchen und Gemeinden. Überall erleben wir, wie zerbrechlich und flüchtig der Friede ist. Wie leicht­fertig und oft auch unbedacht wir ihn aufs Spiel setzen. 
Frieden ist ein Dauerthema – nicht erst heute sondern schon zu biblischen Zeiten. Der Verdacht liegt nahe, dass so viel von ihm geredet wird, weil wir ihn so sehr vermissen und es an allen Ecken und Enden brennt. Viele sehnen sich danach und scheitern doch daran, ihn zu leben. Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander. 
Im hebräischen Denken bedeutet „Frieden“ weit mehr als nur die Abwesen­heit von Streit und Krieg, auch keine Friedhofsruhe. „Shalom“ meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. „Shalom“ ist die unver­brüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung. Diese Friedens­botschaft ist Kern aller prophetischen Verkündigung und Erwartung.
Letztlich kann nur einer die zerstörte und zerstrittene, von Gott abgefallene Schöpfung am Ende der Zeiten wieder zurecht bringen und heilen: Der von Gott eingesetzte Friedens­könig, der von Israel sehn­süchtig erwartete Messias. 
Am Kreuz hat Gott mit uns Menschen und seiner ganzen Schöpfung Frieden geschlossen. Auf unserer Suche nach gerechtem Frieden im Kleinen wie im Großen kommen wir nicht am Kreuz vorbei! Wie die vielen Menschen in der Grafik, die einander ohne trennende Mauern und Grenzen ganz nah sind. Sie geben einander Halt und leuchten in den Regenbogenfarben, die wie durch ein Prisma vom reinen Weiß des Kreuzes reflektiert werden.Da stören keine Unterschiede, auch nicht der Herkunft, angedeutet durch die aneinandergefügten Schriftfragmente des Vaterunsers in verschiedenen Sprachen. Ihre Anordnung erinnert an ein „Haus lebendiger Steine“, mit dem das Reich Gottes immer wieder verglichen wird.„Suche Frieden und jage ihm nach!“ - geht nur mit der Bereitschaft, die Blickrichtung zu wechseln und sich von Christus immer wieder neu ausrichten zu lassen. „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen“, (Matthäus 5, 9) verspricht Jesus in der Bergpredigt. Als seine Kinder sind wir dazu berufen, Licht der Welt zu sein. Wie die einladende, helle Stadt auf dem Berg im Hintergrund. Suche Frieden und jage ihm nach! Manchmal scheint es leichter zu sein, sich für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt zu engagieren, als sich den Herausforderungen in unmittelbarer Nähe zu stellen. Das eine darf das andere aber nicht ausschließen. Wir brauchen dem Frieden nicht ziellos und völlig überfordert hinterher zu jagen. Christus lädt uns ein in seinen Frieden. An uns liegt es, wie wir uns an ihn und seine Versöhnungskraft „binden“ lassen. Dann bleibt es nicht aus, dass wir seinen Frieden an unserem Platz widerspiegeln. Oft nur verschwommen und flüchtig. Bis am Ende der Zeiten der ewige Schalom anbricht: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukas 13, 29)Bei diesem großen Festmahl wird der Friede als „Dauergast“ mit am Tisch sitzen. Das garantiert der Gastgeber persönlich! 
Heiko Schmitz