Gemeinde leben

Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

 
 

Predigt der Vorwoche - zum nachlesen und nachdenken


Predigt vom 17. Januar 2021, Gemeindehaus Birlinghoven

von Pfarrerin Ute Krüger und Pfarrer Stefan Bergner


Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, der da war, der da ist und der da kommt. Amen.

Liebe Menschen aus unseren Gemeinden und Freunde, unser Leben sei ein Fest… tatsächlich?

Weihnachten ist nun schon bald vier Wochen her. Immerhin ich bin wirklich froh, dass mir so viele Menschen inzwischen erzählt haben, dass dieses Fest anders war, ganz anders als sonst, aber dass es auch vielfach besonders und manchmal sogar besonders schön war.

Naja, und wie das so ist… sind die Festtage vorbei, kehrt der Alltag wieder ein… und auch wenn wir es anders gehofft hatten, geht der Alltag eigentlich so weiter, wie vor den Weih-nachtstagen … so richtig festlich ist mir jeden-falls nicht. Umso erstaunlicher, dass der Predigttext für diesen Sonntag aber genau darauf abzielt!

Von einem einmalig großen Fest wird da erzählt:

Lesung aus Johannes 2, 1-11:

Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
Stefan, ich bin jetzt mal ehrlich: Dieser Text macht mir jedes Mal Stress, wenn ihn höre… es nervt mich ungemein, wenn ich mir diese Situation vorstelle… Jeder, der schon mal ein großes Fest geplant und vorbereitet hat, kann sich ausmalen, was das heißt! Die Getränke sind alle. Das hätte komplett schief gehen können! Wein leer, die Gäste reisen frustriert ab, das Fest gesprengt, der lange und akribisch geplante Tag endet im Desaster.

Aber warum gleich Wasser in den Wein gießen, Ute, wie wir es oft tun? Hier ist einer der aus Wasser Wein machen kann, das ist doch ein klares Zeichen. Ich versteh das als Zusage, dass ich mich wirklich in jeder Situation auf Gott ver-lassen kann. Der, der das Fest rettet, schenkt auch mir voll ein, ums mal mit Psalm 23 zu sagen.

Warum gibt es den guten Wein erst am Schluss, warum erst, als die anderen Krüge leer sind? Das Beste kommt zum Schluss… warum nicht direkt?

Klar finde ich das tröstlich, dass Jesus die Situation rettet und für neuen Wein sorgt, aber wäre das nicht auch ohne den Schreck der leeren Krüge gegangen?

Keine Frage, das ist eine wunderbare Verheißung! Aber wofür diese Zitterpartie vorher? Kann ich nicht viel gelassener leben und feiern, wenn ich vorher weiß, dass es reicht und gut oder immer besser wird?

Können wir doch!. Wir hören das ja – jetzt schon. Wir glauben das ja – durch Christus.

Die Geschichte ist ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt von Gott.

Das macht Mut, sich Gottes Gnade und Geschenken anzuvertrauen.

Hmmm, ich muss an das Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer denken. Da heißt es doch, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Kraft gibt, wie wir brauchen. Aber eben nicht im Voraus… Naja und Bonhoeffer wusste wovon er spricht. Er hat diese Worte gebetet, während er von den Nationalsozialisten inhaftiert war.

…. Und trotzdem…. Dieses durchhalten müssen, dieses Hoffen, dass es am Ende gut wird, fällt mir echt schwer…

Das geht mir auch so. Manchmal bin ich richtig hin- und hergerissen.

Aber auch wenn das Beste noch kommt, brauche ich mich nicht zu vertrösten.

Die Geschichten – nicht nur die von diesem Fest – sind ja auch vorher schon gut. Wie oft erzählt die Bibel davon, wie Menschen miteinander leben, lieben und feiern.

Vorgeschmack schmeckt man schon und Vorfreude kann schon fröhlich machen.

Weißt Du wer mir dabei noch einfällt? Paul Gerhard! Der Pfarrer und Dichter so vieler wunderschöner Choräle. Der hat nun wirklich viel erleiden müssen. Erlebt den 30 jährigen Krieg, Hungersnot, wird seiner Pfarrstelle enthoben, seine Frau und 4 seiner 5 Kinder sterben an Krankheiten, die zu der Zeit in Europa wüten… und trotzdem bemüht er sich und gelingt es ihm immer wieder auf das zu schauen, was ihm geschenkt ist, was ihm seinen Glauben und ääseine Hoffnung erhält… Und irgendwie schafft er es auf diese Weise Texte und Lieder zu dichten, die bis heute Menschen berühren und begleiten.

Lass mich raten. Du denkst an „Geh aus mein Herz“?

Genau! Die letzten Strophen sind da genauso formuliert, wie DU es eben beschrieben hast. Da heißt es:

Ach, denk ich, bist du hier so schön / Und läßt du's uns so lieblich gehen / Auf dieser armen Erden: / Was will doch wohl nach dieser Welt / Dort in dem reichen Himmelszelt / Und güldnen Schlosse werden!

Das, was mich hier schon trägt und gut ist, als Ermutigung und Vorgeschmack, was uns für das Ende der Zeit hier versprochen ist.

So klingt, „Das Beste kommt zum Schluss“ gar nicht mehr so ärgerlich für mich!

Genau. Und es wird doch auch vor dem Schluss schon gefeiert! Ich stelle mir fröhliche Menschen, Gemeinschaft, eine Fülle an Essen und Wein vor. Und als das zur Neige geht, ausgeschöpft ist, von Menschen nicht mehr aufgefüllt werden kann, da springt Gott ein.  Wo unsere Möglichkeiten buchstäblich ausgeschöpft sind, wo keiner mehr mit einer Wendung rechnet, schenkt Gott neue Fülle. Was er schenkt, geht dann sogar über alles hinaus, was vorher war… nur das Beste. Das Allerbeste, was uns je passieren kann.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus. Amen.