Gemeinde leben

Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

 
 

Predigt zum nachlesen

Herzlich Willkommen in unserer neuen Rubrik "Predigt zum nachlesen". 

Wir freuen uns, dass Pfarrer Arndt Klemp-Kindermann damit einverstanden ist, seine gehaltene Predigt, hier auf unserer Homepage für Sie zum nachlesen zu veröffentlichen.


Gerade in den aktuell schwierigen Zeiten, wo nicht jeder in die KIrche kommen möchte, bietet sich Ihnen nun die Gelegenheit, die Predigt zumindest "nach zu lesen" und so, zumindest online, an unserem Gemeindeleben und unserem Gottesdienst teilzunehmen.


Wir wünschen Ihnen dabei viel Spaß...


Quasimodogeniti – 1. Sonntag nach Ostern 2021, Predigt von Prädikant Jörg Ebeler


Begrüßung


Liebe Gemeindeglieder in Oberpleis,
ich wünsche Ihnen eine gesegnete Osterzeit, in der Ihre Gefühle nicht so rauf und runter gehen, wie das Aprilwetter.
Die Natur lieferte uns einen weißen Osterscherz, so als wollte das Wetter die Feste vertauschen, hatten wir am Ostermontag weiße „Weihnachten“.
Ich hoffe, Sie können diese Tage mit der gleichen Gelassenheit und mit humorvollen Blick annehmen, wie die altkirchliche Tradition an Ostern das sogenannte Osterlachen pflegte, um damit die Karfreitagsstille mit Freude zu durchbrechen, Freude über den Sieg Gottes über den Tod.
Darauf zu vertrauen, das wünsche ich Ihnen und vielleicht können wir genau so tapfer sein, wie die Blumen, die trotz Schnee das Blühen nicht eingestellt haben.
Ihr Pfr. Arndt Klemp-Kindermann  

   Predigt zu Joh.21,1-14 von Jörg Ebeler aus Birlinghoven

Liebe Schwestern und Brüder,

wer von Euch kennt das nicht?

Eine wunderbare Erfahrung, Zeit, gemeinsam Erlebtes, tiefsinnige Gespräche und dann ist er wieder da – der Alltag.

Ich erinnere mich noch heute an eine Pilgerwanderung unserer Gemeinde – eine kleine Gruppe hatte sich zusammengefunden und beschlossen 3 Tage zu pilgern – den Elisabethpfad von Köln aus.

Menschen, die sich nicht richtig kannten - vom sehen eben - haben in drei Tagen zusammen-gefunden. Jeden Morgen mit einem kleinen Impuls gestartet haben wir viele interessante persönliche Gespräche, offen ehrlich geführt, Zeit der Stille miteinander verbracht und sind uns ans Herz gewachsen.

Am 3. Tag schließlich war unser Ziel der ersten Etappe erreicht, glücklich über das Geschaffte, die gemeinsam verbrachte Zeit, in der wir viel erlebt hatten – dann haben wir uns verabschiedet und uns versprochen, in einigen Monaten gehen wir gemeinsam die 2. Etappe der Tour. Und trotzdem erst einmal Abschied – Erinnerung an eine wundervolle Zeit.

Und dann am darauffolgenden Montag hatte er uns wieder in seinen „Fängen“: der Alltag mit all seinen Terminen, Zeitdruck, Stress.

Geblieben war uns allen die Sehnsucht weiterzugehen und eben diese wundervolle Erinnerung.

So ähnlich, Schwestern und Brüder, Erinnerung an eine schöne Zeit, Leere im Herzen, Traurigkeit – ja so ähnlich ist es ihnen – den Jüngern – auch ergangen.


Johannesevangelium, 21. Kapitel, Verse 1-14:


Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.

Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser.

Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot.

Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!

Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.

Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch die Fische.

Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.


Plötzlich ist Jesus weg, all der Trubel, die vergangene schöne Zeit vorbei, Trauer, Leere nur noch Erinnerung…

Was bleibt uns, werden sie sich gefragt haben.

Jesus ist weg. Was machen wir? Der auferstandene Jesus war ihnen begegnet, hatte sie aus-gesandt, ihnen den heiligen Geist zugesprochen …

Tage später sind sie im Alltag angekommen.

Und was tun sie? Sie gehen fischen … denn das ist ihr Alltagsgeschäft. Zurück und damit konfron-tiert mit Themen wie Erfolg und Misserfolg, zurück im Kampf ums Überleben, essen und trinken …

Jesus haben sie gesehen, an die Auferstehung geglaubt, aber wie geht es nun weiter?

Wie sieht es bei uns aus? Auch wir sind eingetaucht in unseren Alltag. Ostern ist eine Wo-che vorbei – noch klingen sie in meinen Ohren, die Worte: „der Herr ist auferstanden, er ist wahr-haftig auferstanden“, all unsere Freude, der Jubel, dieses tiefe Gefühl, das wir erleben durften, raus aus der Dunkelheit meines Lebens, der Enge, mei-ner Grenzen, hinein in das helle Licht … Jesus leuchtet jede noch so dunkle Ecke meines Lebens aus.

Und jetzt, hier, heute? Alltag, Angst, Sorge, Sorge um die Gesundheit, die Kinder, die Partnerin, den Beruf … So, wie die Jünger.

Wir erleben ihren Alltag: nichts fangen sie in dieser Nacht, nichts haben sie verdient. „Das kommt vor“, versuchen sie zu erklären. Jesus ist am Strand und er geht „hinein“ (bildlich) in den Alltag der Jünger, der nicht gut läuft. Die Jünger erkennen nicht, dass Jesus dort steht.

Ich frage mich, ob ich Jesus erkennen würde, wenn er in meinen Alltag tritt? Das kenne ich doch, in all dem Druck, in meinen engen Strukturen, gefangen im Alltagstrott, nehme ich meine Umwelt noch deutlich wahr?

Jesus spricht sie liebevoll an. „Kinder“ nennt er sie, erwachsene gestandene Männer, „habt ihr nichts zu essen?“ Und sie antworten ohne Erklärungen mit „nein“. So ist Jesus – keine Erklärungen, er, der tief hineinschaut in mein Herz, er kennt bereits die Antwort. „Werft das Netz aus zur rechten des Bootes.“ Wow, eine Aufforderung die keinen Sinn zu machen scheint, denn wieso sollten da mehr Fische sein?

Jesu Größe und Macht – unbemerkt zeigt sie sich und wird erlebbar. Auf sein Wort füllt sich das Netz mit Fischen – ein Riesenfang, soviel das ein neues Problem entsteht: ein volles Netz und keine Kraft mehr es zu ziehen. In dem Moment begreifen die Jünger wer der Mann am Strand ist. „Es ist der Herr“, vermutet einer.

Jesus hat ihre Netze gefüllt. Die Jünger begreifen, das Wort Jesus – es wirkt in ihren Herzen und noch mehr es gibt ihnen Glauben und Vertrauen zurück.

Schwestern und Brüder,

die Jünger, das sind wir in unser aller Alltag, in

den Jesus auch tritt, mal laut in aller Klarheit und dann auch ganz still, unbemerkt, kaum erkennbar, leise. Jesus ist da.

Ich bin mir sicher, in meinem persönlichen Alltag, in der Arbeit in der Jugendhilfe, im Studium, rechne ich mit ihm. Ich bin mir sicher, dass er an uns handelt, so wie in unserem Text. Er kennt unsere Bedürfnisse und sieht, wo wir Hilfe brau-chen, egal ob wir ihn sehen oder nicht.

Jesus in meinem Alltag – öffnet Eure Herzen, schärft Eure Wahrnehmung im alltäglichen.

Es gibt in meinem Leben und sicher auch in Eurem so viele Situationen, die völlig verfahren erscheinen, nahezu unmöglich zu lösen und auf einmal werden meine Augen geöffnet, erlebe ich Menschen, die helfen unbemerkt, leise, die ermutigen, hoffen lassen in meinem Alltag, wenn das Leben nicht in geordneten Bahnen verläuft.

Begegnungen mit Jesus spüre ich in kleinen Momenten bis hin zu großen Erlebnissen, wo ich deutlich spüre:

Dinge, die sich verändern in meinem Leben – oft eigenartig wie in unserer Geschichte. Verän-derung in mir spüre ich, neue Perspektiven, raus aus der Enge meiner Gedanken.

Es geht weiter in meinem Studium – „mach weiter“, spüre ich die Aufforderung. Hebräisch, Griechisch. …

Und das werde ich mit aller Begeisterung und Freude und ich werde entspannt sehen, wohin mein Weg führt. Es ist nicht immer das Netz voller Fische. Begegnungen mit Men-schen, Engel die mich begleiten, der Austausch in Gemeinschaft, das spüren: im Herzen begegnet mir Jesus.

Für die Jünger war die Fischerei Lebensunterhalt und Existenz. Von 153 Fischen im Netz ist die Rede, eine erstaunliche Zahl. Viele Theologen haben Thesen aufgestellt, was diese Zahl bedeuten könne. Ich weiß es nicht. Für mich bedeutet sie einfach die absolute Fülle. Mit Jesus zusammen wird auch das übervolle Netz an Land gebracht. Am Strand erwarten die Jünger das Mahl. Jesus ist mit ihnen, er sorgt und versorgt.

Schwestern und Brüder,

so schlicht, so einfach: Der auferstandene Jesus ist bei uns, er, der gegangen ist, bleibt jetzt für immer, keine Trauer, kein Schmerz, keine Leere.

Alles – auch in unserer Gemeinde, verändert sich. In dieser Gewissheit aber dürfen wir leben:

Jesus bleibt!

Amen.