Gemeinde leben

Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

 
 

Worte der Zuversicht


Freitag, 29. Mai 2020


Ein Wort der Zuversicht zum Pfingstag


Es sind ja schon besondere Ereignisse, an die sich unser Glaube klammert.

Das Kind in der Krippe! Das leere Grab!

Und am Pfingsttage: Ein Brausen vom Himmel wie ein Sturmwind!

Der Geist Christi, der die Ängstlichen und die Skeptiker, die Hoffnungslosen und die Mutlosen aufrichtet und mit neuer Zuversicht ausrüstet.

Jesus selbst kündigt diesen Mutmachgeist an:

Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber weggehe werde ich ihn zu euch senden.“

(Johannes 16,7)


Wie schnell sich der Alltag in Unklarheit, Durcheinander, Hilflosigkeit und ernüchternden Prognosen verlieren kann, das haben nicht nur die ersten Christen, die Jünger und Jüngerinnen Jesu, erfahren. Wir selbst mussten uns einfinden in eine Situation, die uns schwerwiegende Einschnitte in unsere Entschei-dungs- und Handlungsoptionen zugemutet hat.


Wenn wir angesichts der neuen Entwicklung in der Corona-Krise zu Pfingsten auch nicht in einen Begeisterungstaumel ausbrechen, so ist es dennoch gut für uns, aufzuhorchen.

Es ist gut  für uns, sich nicht lähmen zu lassen durch Verunsicherung, durch Angst um den Bestand.

Es ist besser, sich an Jesu Versprechen zu halten.

An seine Zusage, einen Stellvertreter zu senden. Einen Anwalt, der uns zur Seite steht.

Den Kopfhochgeist, den Widerstandsgeist.

Den Geist, der der Welt die Augen auftun wird. Und aufdeckt, was Unwahrheit, Trug und Schein ist.

Den Geist, der uns an alles erinnert, was Jesus für uns war, ist und sein wird.


Es lebe der alte Mutmachgeist, der uns aufs Neue anstoßen will.

Der uns gelassen und mutig zugleich macht und allerdings auch zur Wahrheit leiten will

Und die Wahrheit lautet: Wir sind keineswegs Verlassene, Verlorene oder Unbedachte, wir werden begleitet, wir werden geführt, wir werden umsorgt, wir werden ermutigt. So dürfen wir uns im Werden üben -  eine lebenslange Aufgabe, aber sie hält uns auf dem Weg. Und unterwegs gibt es Erbauliches und Tröstliches zu hören.

Tröstlich ist nämlich, dass der Geist Christi Licht und Klarheit in diese Welt bringt, die mehr und mehr auf sich selbst zurückgeworfen scheint, damit wir unaufgeregt und gelassen darauf verweisen, was uns immer noch glauben und hoffen lässt: Dass nämlich ohne Rückbindung an die schöpferische Kraft, die wir Gott nennen, es auf dieser Welt kein Halten mehr gibt und dass es kein verantwortliches Gestalten mehr gibt.


Die Wahrheit ist auch, dass Religion das Tiefengedächtnis der Menschheit und ein urmenschliches Bedürfnis nach erfahrenem Sinn ist.

Wir versuchen als Glaubende, Sinn in dem Geschehen der Welt zu finden.

Jesus hat uns in die Welt gesandt.

Und der Geist der Wahrheit verbietet uns, die Welt sich selbst zu überlassen.

Darum mischen wir uns gelassen und offensiv zugleich in die Fragen  der Welt ein.


Es ist der Tröstergeist, in dem sich Christus in unserem Leben und in unserer Welt zu Wort meldet.

Es ist der Kopfhochgeist, der uns auch in unwirklichen Zeiten handeln und verantworten und glauben lässt.

Wie sehr wir und unsere Welt diese Geisteskraft brauchen, dass ahnen wir alle. Eigentlich wissen wir das alle.


Noch einmal:

Es lebe der alte Mutmachgeist, der in uns eine Begeisterung für die Sache Jesu schürt.

Der uns gelassen und zuversichtlich zugleich macht.

Er soll uns beflügeln, zu bekennen und offensiv zu vertreten, was uns glauben lässt:

Nämlich die  Barmherzigkeit und Güte Gottes, der Himmel und Erde gemacht hat, der  Bund und Treue hält ewiglich, der nicht loslässt das Werk seiner Hände.


Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Schmitz



Samstag, 16. Mai 2020


Ein Wort der Zuversicht


Irgendwie liegen diese Tage so richtig dazwischen – der Lockdown war gestern, weitergehende Lockerungen sind in Aussicht gestellt, das Reisen könnte bald sogar wieder Wirklichkeit werden.

Aber noch ist Warten und Hoffen angesagt.

Wenn wir es recht bedenken, verweilen wir ja oft in einer solchen Zwischenphase.

Wie oft ist die Zwischenzeit der Alltagsplatz für unsere Seele.

Wir zehren von den Erinnerungen an gelungene Lebensphasen, an erfolgreichen Errungenschaften oder Stunden stiller Zweisamkeiten. Dann haben wir uns irgendwie eingerichtet und halten durch und genießen die kleinen Abwechslungen. Unverdrossen halten wir Ausschau nach so etwas wie Mehrwert an Leben.

Doch das Glück scheint in weiter Ferne. Die Alltagsübung lautet: Irgendwie dazwischen sein.

Oft fühlt sich unser Leben so an. Da ist dann das Warten auf einen neuen Impuls, eine neue Quelle der Zuversicht.

In diesem Warten macht uns Allerhand zu schaffen: Der Zustand der Welt, der Gesellschaft, und jetzt die bange Frage: wie kommen wir durch diese Krise?

Die Prognosen sind ja alles andere als wirklich erbaulich. Zwiespalt der Gefühle. Zerrissenheit, die die Motivation auch lähmen kann. Und so  üben uns im Abwarten. Natürlich, die Hoffnung ist da, auch der feste Wille, das Beste draus zu machen und das Liegengebliebene wieder aufzugreifen.

Vielleicht auch vieles ganz anders machen, vielleicht auch vieles besser machen. Da mag ja die Einsicht sein, dass diese Krise eine Wende zum Guten gelingen lässt. Was bleibt uns eigentlich anders übrig!

Was war und was sein könnte – wir hängen dazwischen.

Zwischenzeiten sind immer auch Glaubenszeiten.

In diesen Zwischenzeiten verheißt Jesus Jüngern den Tröster, den Geist der Wahrheit. Diese Worte Jesu sprechen hinein in die zerrissene Seelenwelt der Jünger und Jüngerinnen. Sie sind unsicher. Sie sind verwirrt. Sie sind sprachlos und sie sind machtlos.

Vielleicht ist ja gerade das Gefühl der Machtlosigkeit das Unerträglichste aller Gefühle – nämlich zu wissen, dass wir nicht mehr selbst gestalten können, dass wir nicht mehr selbst unser Leben ausrichten können, sondern dass wir ausgeliefert sind. 

Verlässliche Aussagen für die Zukunft sind zurzeit kaum mehr als tastende Versuche. Jesus hat ihnen seinen Weggang angekündigt und den Tröstergeist in Aussicht gestellt:


„Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir“

(Johnnesevangelium 15,26)


Das, was kommt, ist mit Erwartungen gefüllt, aber mehr auch nicht.

Ob das, was kommt, Zukunft hat, das muss sich erst noch erweisen.

Ob es trägt, weiß man nicht. Zu fürchten steht, dass die Zeit bis dahin zur echten Belastung wird. Im Niemandsland zwischen Hoffen und Bangen ist der Glaube ein zartes und schutzloses Pflänzchen. Da braucht er viel Liebe und Zuspruch. Einfühlungsvermögen tut Not. Harte und klare Wahrheiten in der Stunde der Wahrheiten wiegen dann umso schwerer.

In der Stunde der harten Wahrheit kommt der Trost für die Verlassenen – wie Martin Luther erklärt. Zwischen Hoffen und Bangen hat der Geist für die Jünger nur eine Aufgabe: Tröster sein.

Jetzt sollen ihre wunden Seelen gestärkt werden. Eine Stimme für die Leisen und Verzagten; eine Brücke über so manchen Abgrund; Lebenskraft für die müden Gebeine; lindernde Salbe auf den Brandflecken unserer Herzen; Hilfe für die ausgebrannten Helfer, Beistand für die von Gott Verlassenen, Zuspruch für die an Gott Zweifelnden, Stärkung für die mit Gott Hadernden...

Der Tröster, den Gott uns zur Seite stellt, bürgt für die Ganzheit in allen Fragmenten.

In der Stunde der Wahrheit – im Niemandsland zwischen Wissen und Erwarten – gibt es die Chance, die Gottessehnsucht und Bedürftigkeit nach Gott im eigenen Leben besser wahrzunehmen und zu akzeptieren.

Gottes Weg ist der Anstoß. 

Gottes Weg bietet uns die Möglichkeit, die innere Landkarte des Glaubens zu erweitern.

Das hat natürlich etwas mit Umkehr zu tun.

Das hat etwas mit der Bereitschaft zu tun, neu zu hören, neu zu sehen, neu zu verstehen...

Das hat etwas mit der Fähigkeit zu tun, warten zu können  

Der Geist Gottes ist Geschenk. Nur Geschenk.

Ich hoffe, wir wissen das zu würdigen. Zeit und Ort sind uns nicht verfügbar. Aber wir verfügen über das Wort Gottes, dass er uns seinen Geist geben will. Und natürlich gibt es ja auch die Pfingsterfahrung; der Geist Gottes weht, wo er will und wie er will und begeistert die Menschen und führt sie zusammen und baut sie auf und lässt sie wunderbare Dinge erleben.

Schließlich verfügen wir über die Bereitschaft, den Geist Gottes zu empfangen.

An uns liegt es, diese Bereitschaft abzurufen. In der Zwischenzeit ist diese Bereitschaft ein hohes Gut.

Wohl dem Menschen, der sich dieses Gut bewahrt.

Wohl dem Menschen, der sich auf die Geisteskraft und Geistesgegenwart einlässt.

Denn der übt sich gelassen im Warten und kann zwischenzeitlich manches verändern, der kann einiges zum Guten wenden,  der kann selbst zum Tröster werden und Geistvolles wirken.


Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Heiko Schm


Mittwoch, 06. Mai 2020


Ein Wort der Zuversicht

Jetzt ist er endlich da. Wir haben Mai.

„Die liebe Maienzeit mein ganzes Herz erfreut, wenn ich nur tu anschauen, die Bäumlein auf der Auen und hör die Vöglein singen, wie es so schön tut klingen.“

Ein altes Lied – es bringt unsere Stimmung so einfühlsam zur Geltung. Wenn uns nach Stimmung ist.

Denn über  die Frühlings-Aufbruchs-Stimmung legt sich hier und da bei uns eine trübe Herbstmelancholie. So schnell kann das manchmal gehen, wenn man nicht so kann und darf, wie man gerne möchte. Da kann einem bisweilen schwer ums Herz werden. Von der Leichtigkeit des Frühjahrs gibt es dann mehr zu träumen als zu spüren.

Das Leben hält eben nicht immer nur Frohbotschaften bereit.

„Nur noch eine kleine Weile“ – sagt man sich dann selbst zur Beruhigung. Da mögen die Hinweise und Ankündi-gungen einer zunehmenden Lockerung der Auflagen wirklich tröstlich sein.

„Nur noch eine kleine Weile…“ In diesen drei kleinen Worten stecken so große Gefühle drin, so viele Fragen, Ängste und Hoffnungen.

Doch aus dem Munde Jesu klingen sie wie ein Versprechen, mehr noch: wie eine unverbrüchliche Zusage. Seine Jünger haben das auch bitter nötig. Sie müssen sich von der vertrauten Gemeinschaft mit Jesus verabschieden und danach wird vieles ganz anders sein.  Da möchten wir festhalten, was uns beglückt, was unser Leben bereichert und schon ist es uns wie aus den Händen geglitten, ist wie ein Hauch verflogen und wir stehen da als Verlorene.

Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“

(Johannesevangelium 16,22)


Diese Worte Jesu ändern vieles. Zumindest gilt das für die Seinen. Nur eine kleine Weile – dann wird etwas Neues beginnen.

Worte, so ganz anders als die schweren Gedanken, die wie Mühlsteine auf den Schultern lasten.

So ganz anders als die Stunde und Tage der Ungewissheit, des quälenden Wartens.

So ganz anders als schlimme Botschaft, die uns den Boden unter den Füßen wegzieht, weil sie uns bis ins Mark erschüttert.

Kann es wirklich so sein, dass das Schwere und Beängstigende zeitlich begrenzt ist?

Dass es nach uns greift, uns umschlingt aber nicht erdrückt und auf ewig abschnürt?


Und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.

So lautet immer noch die Osterbotschaft für die, die Ungemach erleiden, die sich der Willkür ausgesetzt fühlen, die sich verloren haben an Unbotmäßigkeiten und deren Herz bitter geworden ist. So lautet die Osterbotschaft für die, die meinen, dem Stein an des Grabes Tür mehr Glauben schenken zu müssen als dem leeren Grab.


Doch halt – ganz so sorglos ist mein Leben nicht, ganz so fraglos bin ich nicht – trotz aller Vorfreude auf wieder-erlangte Bewegungsfreiheit.

Sich freuen wie die Vögel am Himmel? Einfach singen wie sie? Einfach blühen wie die Lilien auf dem Felde?

Fraglos, sorglos sein, einfach in der Freude wachsen und blühen?

So einfach scheint es mir nicht zu sein.  Denn es gibt viel, das mir Sorgen macht.  Es gibt so viel, wo ich frage: Wie lange halte ich das noch aus?  Es gibt so viel in meiner kleinen Welt und in der großen Welt, wo ich denke: Wann wird es endlich besser, menschlicher, leichter?


Doch in allen meinen Fragen und Klagen schwingt ein Unterton mit. Gottes Versprechen steht im Raum und brennt im meinem Herzen:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Eine Weile noch, dann wird es gut.


Das zu wissen macht es schon jetzt leichter.

Nur noch eine kleine Weile.

Der Barockdichter Johannes Christian Günther (1695-1723) hat all  das ungeduldige Warten, all die Sehnsucht und all den Trost, der in diesen drei kleinen Worten liegt, in seiner Trost-Arie zum Klingen gebracht.

„Endlich bleibt nicht ewig aus. Endlich wird der Trost erscheinen. Endlich grünt der Hoffnungsstrauß, endlich hört man auf zu weinen. Endlich bricht der Tränenkrug, endlich spricht der Tod: Genug. Endlich wird aus Wasser Wein. Endlich kommt die rechte Stunde, endlich fällt der Kerker ein, endlich heilt die tiefste Wunde. Endlich sieht man Freudental. Endlich, endlich kommt einmal.“


Im Tale grünet Hoffnungsglück.

Halten wir das Wichtige doch einfach fest und summen es immer und immer wieder nach, bis es sich wirklich festgesetzt hat in allen Fasern unseres Daseins:

Euer Herz soll sich freuen!


Etwas Neues wird kommen und es hat Ostern begonnen.

Leicht und zart und doch voller Kraft bahnt es sich seinen Weg und blüht in meinem Herzen auf.

Mitten in mein Fragen und Klagen trifft mich die Gewissheit: „Endlich“ bleibt nicht ewig aus, „endlich“ beginnt hier und jetzt, in den kleinen, perfekten Momenten des Glücks, in denen ich mich wie neu geboren fühle.

So wie das Morgenlicht meine Seele aufweckt, ich nach sorgendurchwachter Nacht wieder frei atmen kann.

Manchmal reichen sie, diese kleinen Momente, leicht und licht, in denen Leben ohne Fragen gelingt, zu denen wir sagen „Verweile doch, du bist so schön.“

Manchmal braucht es nicht mehr, damit Sehnsucht zur Gewissheit wird.


Im Übrigen: „Österliche“ Menschen haben trotz allem diesen geklärten  Blick auf sich und ihre Welt.  Sie sehen nämlich klar und deutlich das Leben aus der Fülle unserer Möglichkeiten.

Manchmal wird es uns erst im Rückblick klar, aber dann erkennen wir den Sinn, der auch in den unklaren und ausweglosen Situationen lag.

Deshalb liegt für mich in der in österlichen Spannung zwischen Erfahrung und Sehnsucht und Verheißung und Erfüllung die Kraft, die das Leben verändert.

Nicht von der Kunst des Leides oder von der Macht des Vergehens sondern von der Auferstehung Christi her weht ein reinigender Wind in die gegenwärtige Welt.


„Jesu meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu meine Zier: ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bang und verlangt nach dir…“,

so beginnt ein uns bekannter Choral (EG 396) Und dann voller Inbrunst und Leidenschaft:

„Trotz dem alten Drachen, Trotz dem Todesrachen, Trotz der Furcht dazu! Töne Welt, und springe; ich steh hier und singe in gar sichrer Ruh“ Und schließlich: „Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betrüben lauter Freude sein“


Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Heiko Schmitz


Dienstag, 28. April 2020


Ein Wort der Zuversicht

Von Franz von Assisi wird erzählt, er sei einmal an einem Mandel­bäumchen vorbei gekommen und habe es gebeten, es möge ihm von Gott erzählen. Als der Heilige Franz seine Bitte ausgesprochen hatte, begannen die Blätter des Mandelbäumchens zunächst kräftig mit sei­nen Blättern zu rauschen. Damit hätte sich der Heiligen Franz viel­leicht sogar schon zufrieden gegeben. Aber dann fing das Bäumchen wunderschön zu blühen an. Dabei, so die Legende, sei gar nicht die Jahreszeit für die Mandelblüte gewesen.

Blühen, obwohl dafür gar nicht die Zeit ist?

Blüte wagen, obwohl das Wetter widrig, die Winde hart, die Nachtfröste kalt sind?

Nun, wir erleben gerade einen warmen  sonnigen Frühling, in der Natur grünt und blüht es, ein besonderer Duft aufbrechenden Lebens legt sich über das Land und  in uns selbst regen sich Frühlingsgefühle. Und doch können und dürfen wir zu Zeit nicht so, wie wir gerne wollen.

Es ist für uns nicht leicht, Blüten zu treiben, weil große Teile der Welt voller Trauer, viele Men­schen voller Furcht und die Tage immer noch mit Unsicherheit und  Fragen besetzt sind.


Der kommende Sonntag trägt den Namen Jubilate und da geht es um das Erblühen des Lebens:

Jauchzet Gott alle Lande!

(Ps 66,1) 

Jubel, Gesang und Lob sind Blüten, die aus einer reichhaltigen Gotteserfahrung und Gottesbeziehung sprießen. Diese Erfahrungen geben einen hellen Schein in unsere Herzen. Auch lässt uns das österliche Licht der Auferstehung lässt uns nach vorne schauen.

Ich möchte Sie einladen, in den Zeiten einer umfassenden Corona-Krise die Freude über den Reichtum der Schöpfung nicht verstummen zu lassen. Lassen Sie uns einstimmen in das Lied, dass die wunderbare Vielalt an Lebensmöglichkeiten  besingt. Auch wenn wir persönlich eine Reihe von Einschränkungen oder gar Begrenzungen verspüren, dürfen wir beglückt feststellen, dass  im Kleinen und Verborgenen das Leben sprießt und sich entfaltet und neue Reize entdeckt werden können.

Wir tun gut daran, in diesen erbaulichen Eindrücken die Schöpfermacht Gottes zu erkennen. Das mag uns davor bewahren, dass wir unsere Seele in diesen unwirklichen Zeiten und haltlosen Zuständen verlieren

Und so lässt sich die Legende vom Heiligen Franz und dem Mandelbäumchen ganz schlicht auf den Menschen übertragen: Als der Heilige Franz einmal einen Menschen bat, ihm von Gott zu erzählen, da kam Bewegung in das Leben dieses Menschen. Er begann zu glauben und zu lieben.

Glaube und Liebe gehören dabei allerdings immer zusammen.  Sie sind wie Geschwister. Das ist an vielen Stellen des Neuen Testamentes das tiefere Thema. Und die Botschaft lautet:   Es gibt keine schlechten Zeiten für den Glauben und die Liebe!

Ein liebender, sich zuwendender, parteilicher Glaube kann von der österlichen Fülle des Lebens erzählen. Und Glaube und Liebe blühen nur dort im Sinne Jesu, wo sie der Welt zugewandt bleiben.

Wer glaubt und liebt, der setzt auf eine besonders ausdauernde Lebenskraft. Auf eine Kraft, die es mit den vielfältigen Ursachen von Lebensarmut und Lebensverlust aufnehmen kann. Auf eine Kraft mit langem Atem, weil Glaube und Liebe selbst wie der Atem Gottes sind.


Lebensfreundlicher Glaube setzt  schöpferische Fähigkeiten frei und stattet uns mit wich­tigen Kompetenzen  zu mehr Lebensfülle und Lebenshoffnung aus – umso mehr,  wenn wir in der Begegnung mit der Wirklichkeit der Liebe vertrauten.  Ein Glaube, der sich als Liebe den Herausforderungen unserer Zeit zuwendet, öffnet die Welt zu mehr Liebe.

Jesus hat sich weder durch das Kreuz noch durch die Menschen aus Glauben und Liebe drängen lassen. Jesus hat die Liebe an die Seite des sterblichen, geschlagenen und geschmähten Lebens getragen.

Nur so kann aus dem Grab Licht kommen: Das göttliche Licht des Lebens. Und dieses Licht, aus Glauben und Liebe geboren, überwindet das, was uns vom Leben fernhält, was uns lähmt, was die Blicke trübt, was uns mutlos und perspektivlos macht.

Wir sehr die alle Lebensbereiche bedrohende Macht  die Welt immer noch in ihren Klauen hält, darüber brauchen wir angesichts der bedrückenden Nachrichten eigentlich keine vielen Worte mehr machen. Da sprechen die Bilder und Zahlen für sich.

Wenn Glaube und Liebe den Felsen des Todes wegsprengen, die Ostergeschichte beschreibt dies ja in eindrücklichen Bildern, und kein Mensch und keine Weltwirklichkeit diese Lebensmacht aufhalten kann, dann können Glaube und Liebe diese Welt mit all ihren lebenshindernden Mächten und Bedrohungen überwinden.


Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“


heißt es im 1. Johannesbrief (5,4)

Da geht es nicht um Weltflucht, sondern um Welt­befähigung, um Weltkompetenz.

Da geht es nicht um Wirklichkeits­verleugnung, sondern um Wirklichkeitsvermögen.

Da geht es nicht um Geschichten gegen das vergängliche Leben, sondern um österliche Geschichten mitten in einem bedrohten Leben.


Was machen wir, wenn der Heilige Franz demnächst an uns herantritt und uns bittet, von Gott zu erzählen?

Wir machen uns auf dem Weg. Der Aufbruch zurück ins Leben, das wäre eine schöne Geschichte über Gott.

Ausgerüstet mit Glauben und Liebe gehen wir dorthin, wo in diesen Zeiten Hilfe am nötigsten ist.

Und fragt uns einer: “Warum tust du dies gerade jetzt?“

Dann antworten wir:


Furcht ist nicht in der Liebe sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus

(1. Johannesbrief 4,18)


Es grüßte Sie herzlich

Ihr Pfarrer Heiko Schmitz



Mittwoch, 22. April 2020


Ein Wort der Zuversicht


Auch wenn in diesen Tagen das öffentliche Leben langsam wieder in Gang kommt, ist dennoch Vorsicht und  Rücksicht geboten. Die zu Recht mahnenden Stimmen, nicht vorschnell durch Leichtfertigkeit das wieder aufs Spiel zu setzen, was uns in bescheidenem Maße wieder möglich wird, führen uns die Unsicherheiten erneut vor Augen.

Denn verlässliche Aussagen sind für alle Lebensbereiche nicht zu treffen. Wir müssen diese ganzen Unabwägbarkeiten einfach noch aushalten – und keiner kann sagen, wie lange noch. Das löst Unbehagen aus, wenn nicht gar Niedergeschlagenheit.

Umso mehr mag uns ein Prophetenwort aufrichten:

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat und dich gemacht hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Jes 43,1

Ursprünglich ist es ein Wort an das Volk Israel, ein Wort für Menschen, die wissen, wie sich das anfühlt, wenn einem genau danach zumute ist: sich zu fürchten.

Im Frühling des Jahres 2020 ist es genauso gut an uns gerichtet, denn derzeit sind wir bekanntlich auch nicht unerschütterlich. Mitten hinein in alles, was uns zu schaffen macht, wird uns gesagt: Du darfst getrost sein! Nicht irgendwer spricht da, sondern der, „der dich geschaffen hat“. Der, der schon eine Geschichte mit uns hat.

Er denkt mit liebevollen Gedanken an uns.  Wir sind liebevolle Gedanken von ihm.

Gott, der uns ins Leben gerufen hat, will von Anfang an ein starkes, fürsorgendes Gegenüber für uns sein.


Es ist, als würde er sagen:

„Mensch, ich bin’s  doch!  Du kennst mich doch!

„Ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland.“

Ich habe eine Beziehungsgeschichte mit dir und mit denen, die vor dir waren.

Da gehörst du mit rein, in diese Beziehungsgeschichte.

Ich bin's, der den Abraham gerufen hat.

Ich bin's, der das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten geholt hat.

Ich bin's, der dem Volk Israel Leitlinien fürs Leben gegeben hat: die Zehn Gebote.

Ich bin's, von dem David gesagt hat: „Der Herr ist mein Hirte“

Ich bin nicht nur für andere da und für Leute von früher.

Ich bin auch dein Gott, dein Heiland.

Und ich bin hier, bei dir.

Ich begleite dich, tröste dich, rede dir rein.

Ich nehme dich in den Arm, ich berühre dich heilsam, ich erlöse dich.


Es ist die Menschenfreundlichkeit Gottes, die uns nicht aus der Hand gibt.

Es ist seine unbedingte  Zuneigung, die uns immer aufs Neue umgibt.

So begleitet er uns, hütet uns, pfeift uns zurück, stellt sich quer und macht uns Mut, ist einfach mit dabei.

Und in diese Nähe hinein mündet unser Leben am Ende.


Dass er so zu uns steht, das wird uns allerdings nicht vor allem bewahren und uns jeden Stein aus dem Weg räumen.

Die Geschichten von unsäglichem Leid, von bitteren Niederlagen, von schreiender Ungerechtigkeit, von Todes-ängsten und schmerzlichen Trennungen hören nicht einfach auf.

Es gehört viel Einfühlungsvermögen und auch eine gewisse Bereitschaft zur Demut dazu, sich in dieses besondere Gottesverhältnis hineinzudenken.

Das wir wissen ja nur zu gut: Das Wasser kann uns sehr wohl bis zum Hals stehen. Unser Leben ist  zerbrechlich und gefährdet.  Der Glaube verhindert nicht, dass wir auch schlimme Erfahrungen machen, Angst ausstehen.

Uns ist nicht versprochen, dass wir vor schwierigen und bedrängenden Situationen bewahrt bleiben.

Aber das andere ist uns zugesagt: dass wir nämlich in allen schwierigen und bedrängenden Situationen bewahrt und gehalten bleiben.

Ja, es gibt diese Sollbruchstellen im Leben. Und gerade in einer Krisenzeit wie heute wird uns diese Brüchigkeit

einmal mehr bewusst, denn wir erleben, wie fragil Beziehungen sein können, auf welchen tönernen Füßen  eine soziale Absicherung stehen kann, dass eine seelische Gemeindelage ganz schön durcheinander geraten kann

Bei dem Einen stärker und heftiger, bei der Anderen versteckter, schleichender.

Und gerade dort brechen die Fragen mit Macht auf und fordern ungestüm nach Antwort.


Warum?   Wozu?   Was bleibt?


Gibt es eine Wirklichkeit, die mehr ist als die materielle Dimension unseres Seins? Gibt es eine Kraft, die größer ist als meine schlimmsten Befürchtungen?


„Fürchte Dich nicht!“

„Ich habe Dich erlöst!“

Gott ist kein Trostpflaster für die Widerfahrnisse es Lebens. Es ist wohl nur so, dass wir an diesen Bruchstellen des Lebens oft erst ein Herz haben, das hören will.  Oder in uns eine  Seele entdecken, die Sehnsucht hat.

Und in diese Offenheit hinein kann Gott sprechen.


In der Rückschau ist es jedoch oft verblüffend zu sehen: Genau in diesen Krisenzeiten ist mir wirklich Neues zugewachsen.  Da hat sich mein Glaube tiefer verwurzelt.  Dort ist meine Fähigkeit zu begreifen gereift.

Und ich verstehe: Was uns letztlich hält und allem Für und Wider trotzen lässt, ist Gottes Bekenntnis zu uns.

Er ist Hüter unseres Lebens.

Wir in seiner Obhut.

Sein Erbarmen ist grenzenlos.

Unser kleines  Ich ist ebenso darin geborgen wie die große weite Welt.


Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Heiko Schmitz



Donnerstag, 16. April 2020


Ein Wort der Zuversicht


Vieles steht still in diesen Wochen. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, die Schulen sind zu, vielfach bieten die Behörden nur telefonische Auskünfte, auch die Gottesdienste in gewohnter Form fallen aus. Für manche Menschen ist dieser Stillstand nur schwer auszuhalten, nicht zuletzt weil man wirtschaftliche Folgen befürchtet.


Ist Ihnen aufgefallen, dass die Natur nicht stillsteht? Überall ist ein Aufbruch zu beobachten, es grünt an allen Ecken, Vogelgezwitscher, die ersten Bienen brummen, alles ist ein bisschen deutlicher zu vernehmen, weil der wirtschaftliche Stillstand die Geräuschkulisse verändert hat. Auf einmal melden sich die Stimmen der Natur hörbarer als sonst. Doch da die Natur im Aufbruch begriffen ist müssen die Landwirte jetzt handeln – am Ende soll ja wie jedes Jahr eine reiche Ernte eingefahren werden. Das gilt auch für die Winzer, jetzt muss der erste Schnitt erfolgen, damit  der Weinstock viel Frucht bringt.


Lassen Sie uns in der derzeitigen Stille des Alltags einmal über den Weinstock und die Reben und die Trauben nachdenken. Wir können dabei viel über unser Inneres, über Herz und Seele erfahren.


Wie sehen die Trauben aus, mit denen Sie Ihr Inneres vergleichen könnten? 


Ist es eine volle Traube mit unzähligen reif gewordenen Früchten, reif genug, um sich zu verschenken. Reif genug, um andere auf den Geschmack für das schöne Leben zu bringen?  

Oder würden Sie sich jetzt eher vergleichen mit einer Rebe, die nur wenige Früchte trägt, etwas kärglich und welk? Welches Trauben-Bild fällt Ihnen für Ihr Inneres ein? 


Oder fällt Ihnen kein Bild ein, weil Ihr Inneres schweigt und nichts spürbar ist?


Unsere Seele muss einen Halt haben und sich nähren lassen wie eine Rebe durch den Weinstock.


Und darum spricht Christus jetzt auch zu uns:

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Johannes 15,5


Macht mit! Das höre ich aus dem Bildwort heraus. Bringt euch ein. Denn ihr werdet gebraucht.


Haltet euch an einander und halten euch an Christus.

Wie könnten wir andere lieben, wenn wir selbst der Liebe entbehren würden?

Wie könnten wir anderen Menschen mit Achtung begegnen, wenn wir selbst keine Achtung erfahren würden?

Wie könnten wir anderen den Weg weisen, wenn wir selber keine Wegweisung für uns hätten?

Wie könnten wir Frieden stiften mit friedlosem Herzen?

Wie könnten wir Gemeinschaft bauen und stärken, wenn wir selbst nicht erbaut sind?

Wir können doch nur geben, was wir im Innersten empfangen haben.

Wir können uns nur verschenken, wenn wir selbst tief im Inneren Beschenkte sind

Und deshalb spricht Christus: Ohne mich – ohne dass ich Euch gebe – könnt ihr nichts tun!

Denn alles, was wir mit halben Herzen tun, ist nur halb getan.

Jede Tat bleibt ohne Kraft, wenn das Innere kraftlos ist.

Jedes Wort bleibt schwach, wenn es aus einer geschwächten Seele kommt.


Und selbst das Brot, das wir mit Widerwillen backen, ist ein bitteres Brot für die, die es essen.


Wenn das Herz leer und die Seele kraftlos ist, dann können wir jetzt nichts tun, nichts, was gut wäre, nichts Fruchtbares, nichts, was anderen zur Stärkung oder zur Freude dienen könnte.


Manchmal können wir nur in Geduld stille werden und warten.

Warten darauf, dass uns Kraft zuwächst aus einer Quelle, die uns speist.

Manchmal können wir uns nur Gott schweigend hinhalten, können nur beten und warten auf seine Kraft und seine Fülle.

Manchmal können wir nur bitten und warten – wie eine Blüte, die sich öffnet, weil sie weiß, dass die Morgensonne naht.

Manchmal können wir uns Gott nur aussetzen, so wie ausgedörrtes Land auf den Regen harrt, der in dunklen Wolken schon am Horizont heraufzieht.


Und Christus wartet nur darauf, zu uns kommen zu dürfen.


Seine Kraft wartet nur darauf, uns wieder durchströmen zu können.  Seine Liebe sehnt sich danach, uns wieder zu erfüllen wie klares frisches Wasser, wie ein Feuer, das in uns wieder brennen will.  Die Quelle allen Lebens staut ihre Kraft, bis der Zufluss wieder frei ist, damit sie sich wieder in unser Herz verströmen kann.


Darum: Wenn Ihr kraftlos seid in Herz und Seele, wartet voller Vertrauen, bis seine Kraft in Euch wieder stark wird!


Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.


Durch dieses Bleiben an der Quelle formt sich unser Glaube und prägt das Leben.


Mit anderen Worten: wir sollten uns einmal mehr um Bleibendes im Leben mühen. Wir sollten uns auch mehr im Bleiben selbst üben.


Dann können wir auch Bestehendes wirken. Dann können wir etwas anlegen, das Bestand hat. Dann können wir selbst zur Bleibe werden, die anderen Mut und Zuversicht gibt.


Doch wie gesagt, nicht aus uns selbst heraus.

Es geht nur so, dass wir den Grund unseres Glauben und den Halt unseres Wirkens bewahren: Also in Christus bleiben.

Und diese Verbindung als bleibendes Gut schützen.

Vieles wird uns nämlich zuteil Darauf können wir getrost aufbauen.

Und am Ende trägt reichlich Frucht, was in uns angelegt ist. Auch das sollte uns klar sein.


Der Gärtner – Gott selbst – wird dafür Sorge tragen. Er ist ein „Kümmerer“, einer, der uns immer nachgeht, einer, der uns Raum zur Entfaltung gönnt.


Denn in diesen Tagen der Stille wächst heran, was uns reiche Ernte beschwert.


Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Heiko Schmitz


Samstag, 11. April 2020


Ein Wort der Zuversicht für Ostern


Fürchte Euch nicht! Ihr sucht Jesus den Gekreuzigten. Er ist auferstanden von den Toten!“ (Mt 28,5+6)

Unser Altar mit der neuen Osterkerze ... wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Osterfest


Das ist die Botschaft der Engel am Ostermorgen. Da klingt die Osterbotschaft wie eine Erlösung: Der Engel setzt sich auf den Stein, und wir sind frei für das Leben.


Die Sehnsucht nach einem solchen Engel ist da, greifen wir doch in diesen Tagen nach jedem Wort, das uns endlich wieder Normalität in Aussicht stellt. Denn da ist immer noch  die Angst, das Leben könnte sich in ab-sehbarer Zeit nicht frei entfalten und die Aussichten  auf eine bessere Zukunft  blieben unberechenbar und ungesichert.  Es ist das Wunder der Passion Jesu, dass Gräber sich öffnen, dass Verzweiflung zu einem neuen Glau-ben ruft, dass wir ahnen, dass in der Nacht eine Kraft wächst, die den Felsen sprengt.


Das Frühlingserwachen um uns herum ist ein schönes Abbild des Ostergeschehens: neues Leben, Aufbruch hier und da, erfrischendes Grün, ein Duft, der uns tief einatmen lässt.  Ostern gibt uns die Gewissheit, dass unser Leben nicht in Einsamkeit, Ratlosigkeit, Verlassenheit oder gar im Dunkeln  enden muss, sondern dass wir aufblühen, aufbrechen, ausbrechen  können aus aller Lähmung und Resignation.


Ostern ist aber auch die große Einladung Gottes, die Fesseln der Selbstbeschuldigung und die Last der  müh-samen Rechtfertigungsversuche abzuwerfen und singend und spielend in die Freiheit der Auferstehung hinein-zutanzen. Es gibt eben doch ein anderes Leben als nur auf Erfolg aus zu sein, als nur um Bestätigung zu betteln.


Ostern heißt, dass Gott den Stein beiseiteschiebt, der auf mir lastet und der das Weitergehen behindert.  Auf-erstehung heißt für mich, die Verletzungen meiner Vergangenheit, die Schuld, die ich auf mich geladen habe, die Gefühle, die mich quälen, im Grab zu lassen und an der Hand Christi ein neuer Mensch werden. Auferstehung geschieht nicht allein im Geist. Auferstehung ist auch körperliches Empfinden. Es mag ein Wort sein, das mich berührt, es  mag ein Lied sein, in das ich einstimme, es mag ein Licht sein, das  mich ermutigt, es mag ein Farbenspiel sein, das mich anregt. Das  alles kann Leben in mir wecken. Das alles sagt mir, dass ich dem Leben, dem neuen Leben für mich, aus Gottes Hand begegnen kann.  Dass ich das neue Leben durch die Auferstehung Christi ergreifen  darf.


Dieses neue Leben rührt mich nicht nur an, es kann mich verwandeln. Das Ostergeschehen will Begeisterung wecken. Es steckt an, es bringt die Menschen auf den Weg, es weckt Neugier auf das Leben in seiner ganzen Fülle, es nährt den Glauben, damit er aus sich heraustreten kann. Die Osterbotschaft ist eine gute Nachricht, die Körper, Herz und Sinne beflügelt.  In diesem Sinne: ein gutes Frühlingserwachen für jedermann


Die wachsende Kraft, die den Felsen sprengt -  die Dynamik der Auferstehung hat noch kein Ende.

Und immer wieder sitzen da Engel auf den Steinen oder einfach nur am Wegesrand und holen zur einladenden Bewegung aus: Schau nur hin – hier ist die Stätte, wo das Auferstehen gelingt.


Hier, wo du gerade angekommen bist und deine Gedanken neu sortierst, hier, wo es dich hin gespült hat und du mit dir oder der Welt nicht mehr klarkommst. Hier beginnt deine Auferstehungsgeschichte.


Ich bin eingeladen, zu glauben.


  Und das darfst du glauben: Es ist alles schon überwunden, worunter du jetzt noch leidest.  Es ist eins, was für unsere Augen getrennt ist. Es ist alles ist geheilt, was für uns zerbrochen ist.  Es ist alles da, was uns fehlt. In Christus hat das Trennende keine Macht und der Tod ist besiegt.  Und im Vertrauen darauf können wir leben und glauben.

Das wäre dann eine unserer ganz persönlichen Auferstehungsgeschichten. Eine von vielen. Die letzte, die Entscheidende steht uns noch bevor. Dann aber werden wir vollends begreifen, dass der Tod wirklich keine Macht mehr hat  und wir in den Bedrohungsszenarien nicht untergehen müssen.


Lassen Sie uns diese Osterbotschaft mitnehmen  in die kommenden Tage und Wochen: Wir sollten nicht nach Zeichen der Endzeit Ausschau halten. Wir  sollen suchen nach Zeichen des Lebens, nach ersten Knospen des Friedens, nach den ersten zarten Blättern des Schalom Gottes, des Heils.


Ostermorgen – Leben kehrt zurück in blühenden Zweigen. Auch der  Dornbusch blüht, erinnert an den Über-gang vom Schmerz zur Freude. Wir suchen das Ostergeheimnis zu berühren und dürfen erfahren: Wir können aufstehen, hinzutreten, vorwärtsschreiten, aufatmen, fröhlich werden, Mut fassen gelassen glauben, Gott die Ehre geben, Ostern unsere ganz persönliche Ostergeschichte hinzufügen.


So füllen wir Ostern. So wird Ostern lebendig. Aufs Neue. Für uns. Mit uns. Durch uns.


Es grüßt Sie

Ihr Pfarrer Heiko Schmitz



Dienstag, 07. April 2020


Ein Wort der Zuversicht


In der Karwoche bedenken die Christen seit jeher die besondere Bedeutung des Kreuzes Christi. Und sie fragen danach, welche Kreuze uns zu tragen auferlegt sind. In der Karwoche des Jahres 2020 lautet die Antwort: die Belastung durch das Corona-Virus. Daran haben wir schwer zu tragen. Das lässt den auf-rechten Gang nicht wirklich zu. Es ist bedrückend, erleben zu müssen, wie Leben beschnitten und bedroht wird. Es schmerzt zu sehen, dass viele Opfer zu beklagen sind.


Ja, das Kreuz ist wohl das bekannteste Zeichen der Christen. Und die vielen aufgerichteten Kreuze dieser Welt beklagen unsere Schuld und unsere Verstrickungen in den Abgründen der Menschheit. Deshalb ist das Kreuz Christ auch ein Hinweis darauf, dass wir der Vergebung bedürfen.


Man kann im Kreuz aber auch viel Tröstliches erblichen: Die Welt hat ein Oben und ein Unten, hat ihre Breite und ihre Weite, und alles schließt sich wie zu einem Kreis.  Nicht ein Chaos ist die Welt, nicht das Produkt eines blinden Zufalls, sondern inspiriert von einem schöpferischen Willen und einer bewahrenden Absicht.


Man kann diesem Bild noch etwas Unerhörtes hinzufügen, so wie es die ersten Christen taten. Sie sahen Gott - von oben hinabsteigen - ins irdisch Waagrechte - ins tausendfach Schöne und Vielfältige dort - doch weiter auch in die Brüche und Abgründe und Widerwärtigkeiten dahinter - sahen ihn  den sichtbaren und unsichtbaren Mächten dieser Welt etwas entgegensetzen - sie mit Licht erfüllen und zu einem Raum der Entfaltung machen - und sahen auch das, wie aus der Tiefe des Todes heraus dieses finstere Komplott zu Nichte wurde - zu Ende gebracht von einem, der nicht für sich selbst, sondern ganz bei Gott war - und das Ende der Mächte fortan nur noch eine Frage des Wann und des Wie war, der Sieg aber dem Leben nicht mehr zu nehmen war.


In diesem einmal senkrecht  und einmal waagerecht, in diesem quer  und längs, diesem Zueinander, Gegeneinander, Ineinander, dieser Dramatik von Licht und Finsternis und Tod und Leben macht sich einer auf, kommt mir entgegen, mit Gesicht und Namen und ausgebreiteten Armen, hält mich, stützt mich, macht, dass ich bin, dass ich wieder zu mir finde, dass ich sein darf.


Im Kreuz geht es um das Ganze.


Wir können es drehen und wenden  - unser Leben,  unsere Welt und jetzt unsere Betroffenheit und unsere Sorgen und Fragen -  wir werden es immer wieder mit ihm zu tun bekommen – mit dem Kreuz.


Aber davor müssen wir nicht zu Tode erschrecken. Im Gegenteil: wir dürfen uns über das Leben freuen.


Denn das Kreuz Christi erzählt von Gottes Weltleidenschaft und seinem unbedingten ja zum Leben.


Der Todesmacht und seiner Bedrückung, seiner Willkürherrschaft, seinem grenzenlosen Leid, ist alle Gewalt entzogen. Nicht, das es den Tod nicht mehr gibt, aber seine Spielchen sollen uns nicht mehr er-schrecken oder binden oder entmutigen.


Die Lebenskraft die von dem Kreuz ausgeht, deutet Jesus so:


Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,24)


Und von dieser Lebenskraft dürfen wir zehren, gerade in den Stunden, in denen wir hungern und dürsten nach Aussicht, Wohlwollen und ein bisschen Nähe.


Ich lade Sie zu einem Gebet ein:


Nahe bist du mir, Barmherziger. Näher, als meine Angst mir ist. Näher, als meine Sorgen mit nahe sind um Arbeit und Auskommen, Gerechtigkeit und Frieden.

Näher auch, als die zersetzende Gier nach immer mehr, immer neuem, immer bizarrerem Leben.

Und näher auch als meine Trauer, dass es in dieser Welt so viele gibt, die ihr gut sein könnten, und so wenige nur, die es tun.

Näher bist du mir als alles, was ist und was war und was sein wird.

Denn Jesus Christus ist dein Name: in dem ich alles, was ich sein kann, bin.

Für diese Nähe, du uns Nahegekommener, danken wir.

Amen.


Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Heiko Schmitz

 



Freitag, 03. April 2020


Ein Wort der Zuversicht


Manchmal gibt es Worte, die wehen wie aus einer fernen Welt zu uns herüber. Und dann spüren wir:  Ja, wie aus einer fernen Welt, und uns doch so vertraut, so nah, so unmittelbar, so hilfreich, so tröstlich, so ansprechend, gerade jetzt, gerade so. Wie aus einer fernen Welt und die Bilder sprechen für sich, sie sprechen für mich, sie halten mich fest, ich spüre: „Halte dich an mich, ich bin da, ich bin dein Fürsorger.“ Wie aus einer fernen Welt und es  ist ein Wort der Zuversicht für Dich, für mich.


Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirte,  mir wird nichts mangeln.  
Er weidet mich auf einer grünen Aue  und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.  
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,  fürchte ich kein Unglück;    
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch  im Angesicht meiner Feinde.    
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.  
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,  
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Das Empfinden,  finstere Täler durchschreiten zu müssen und das Gefühl, fremdbestimmt zu sein,  beein-flussen  in diesen  Tagen  der durchaus realen Bedrohungslage zweifelsohne unsere Gedanken. Nachdenk-lichkeit bestimmt unsere Handlungen, die sozialen Kontakte sind von Vorsicht geprägt. Wir gönnen uns kein Aufatmen mehr, erleben uns mehr als Getriebene, denn als frei Agierende. Und die ganz neue Erfahrung für viele lautet: bedeutet die gefühlte Mangelerfahrung im Versorgungsbereich auch, dass materielle und finan-zielle Einschränkungen  im persönlichen Umfeld zu erwarten sind. Diese Fragen verunsichern und werfen uns im schlimmsten Fall auf die Grundangst des Verlorengehens zurück.


Diese Angst ist unbegründet. Der Psalm 23 die Gewissheit unserer Väter und Mütter, dass wir trotz allem Widerfahrnis gehalten und geborgen sind. Da sind die alten Bilder, in denen sich Lebenskraft und Lebens-geist äußert.


Der gute Hirte: Dir wird nichts mangeln - sei getrost. Was deinen Sinnen mangelt, was dein Leben trägt, das wird bereitet. Darum sorge dich nicht. Ich bin da, ich halte Ausschau, ich wache, ich umsorge dich.


Die grünen Auen und das frische Wasser, die Erfrischung, der Schatten, der Duft der Blumen: Das alles, damit wir durchatmen können, damit wir an Leib und Seele neu werden, erquickt werden.  Damit wir wieder die Ärmel hochkrempeln können. Damit wir einen klaren Kopf bekommen. Damit unsere Augen und Ohren, unser Herz und unsere Sinne ermuntert  werden.


Der Stecken und Stab: Da gehen andere ein Stück unseres Weges mit. Da gibt es Erfahrungen und Weis-heiten, die uns helfen mögen. Da gibt es Antworten auf unsere Lebensfragen,  auch Trost, auch Mitgefühl.


Ein gedeckter Tisch: Ein vertrauter Ort. Ein Ort, an dem mir Wohltat geschieht. Ein Dienst, den einer für mich tut. Einmal nicht selber sorgen und besorgen müssen. Andersherum: sich Gutes tun lassen. Belastungen werden sich fügen. Es kommt alles ins Lot. Es ist genug für alle da. Der Fürsorge Gottes dürfen wir gewiss sein.


Das Haus Gottes: Die alte Geschichte, dass Gott uns nachgeht und nicht aus den Augen lässt. Dass er uns behaust und in der Nähe Gottes Gutes und Barmherzigkeit um uns sind und wo  Gott uns sagt, dass unser Eingang und Ausgang gesegnet ist und wir unter dem Geleit Gottes stehen.


Ja, die alten Lieder und Geschichten. Bisweilen spüren wir, dass sie sich für uns ganz neu, ganz anderes entfalten. Deshalb noch einmal der Psalm 23  ein wenig anders gesprochen:


Die Zuneigung Gottes umgibt mich, seine Sorge gilt meinem Leben.  
Die Zuneigung Gottes umgibt mich, was kann da noch geschehen?
Er sorgt sich darum, dass ich Ruhe und Heimat finde, dass ich aufatmen kann und mich erfrischen.  
Er kennt meine Sehnsüchte und Gedanken  und begleitet mich auf allen Wegen meines Lebens.
In den Stunden der Einsamkeit, Trauer, in Dunkelheit und Verzweiflung    ist er neben mir, umgibt mich mit Hoffnung.  
Er gibt mir, was ich zum Leben brauche.  Gott geleitet mich, bis ich mein Ziel erreiche,
die Heimat in seiner Liebe“


Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Heiko Schmitz




Freitag, 27. März 2020


Ein Wort der Zuversicht


In einem Winkel der Welt kauerte verbissen, trotzig und freudlos eine dicke, schauerliche Finsternis. Plötzlich erschien in dieser Not ein kleines Licht – klein - aber ein Licht. Jemand hatte es hingestellt. Es war einfach da und leuchtete.

Einer, der vorüberging, meinte: "Du ständest besser woanders als in diesem abgelegenen Winkel".

Warum?", fragte das Licht. "Ich leuchte, weil ich Licht bin, und weil ich leuchte, bin ich Licht. Ich  leuchte, weil es mir Freude macht, Licht zu sein."

Aber die düstere Finsternis ging Zähne knirschend und wütend gegen das Licht an.  Und doch war die ganze große Finsternis machtlos gegen das winzige Licht.


Auch wenn der Frühling sich mit Macht zu Wort meldet, auch wenn die Knospen treiben, auch wenn die Farben der Natur die Botschaft vom Aufbruch des neuen Lebens künden, auch wenn die Sonnenstrahlen Wärme und Licht bringen,  es ist, als ob sich eine Finsternis über das Land gelegt hat, die unser Denken, Fühlen und Gestalten mit der bangen Frage beschäftigt, was alles noch kommen wird, worauf wir uns einzustellen haben, wie sehr die große Herausforderung der Pandemie werausfordwrung der Pandemieunser persönliches Lebensumfeld betrifft. Wir richten uns ein so gutes geht und können doch nicht so, wie wir gerne möchten.

Und doch  sind da Lichtblicke. Und doch leuchtet es auf – gerade jetzt, gerade hier.

Es gibt viele Menschen, die da sind, weil sie gebraucht werden in den Gesundheitsdiensten, Praxen, Krankenhäusern, in den Geschäften, in der Logistik, in der Versorgung und Entsorgung, in der Beglei-tung und Unterstützung. Es gibt viel Wohlwollen, es gibt viel Bereitschaft, es gibt tolle Ideen und es gibt so viel Hilfe.

Da kann sich die Gefährdung durch das Corona-Virus tollkühn gebärden, die Herzlichkeit und Aufmerksamkeit unserer Tage lässt aufatmen und durchatmen, bringt auch neue Kräfte ins Spiel.


Ihr seid das Licht der Welt“,


sagt Jesus zu den Menschen, die mit ihm auf dem Weg sind. Er traut Ihnen viel zu. Vermutlich haben sie auf ihrem Weg mit Jesus mehr Fragen als Antworten. Aber Jesus macht sie stark.

Die Welt braucht eure Hoffnungslichter und euren Glauben, der sich auch in der Dunkelheit bewähren kann. Die Welt braucht eure Barmherzigkeit, euren Friedenswillen, euren Sinn für Gerechtigkeit, euer Einfühlungsvermögen. Denn das sind die Lichter, die unserer Welt guttun.

Diese Lichter bringen Wärme in unsere Tage, die uns trotz Frühlingssonne frösteln lassen. Diese Lichter sind wohltuend, weil sie die Einsamkeit vertreiben und die Angst und das Zittern. Diese Lichter bringen uns zusammen,  sie bringen uns auch weiter, lassen uns erwartungsvoll über den Tag hinausschauen. Sie ermutigen, atmen sie doch die Gewissheit, dass in bedrückter Stimmung immer auch Erleichterung zu erfahren ist.


Spürbarbar wird  diese Erleichterung umso mehr, wenn wir  dem Geiste Christi Raum geben. Wenn wir in unserem  Tun und Lassen unser Hoffen und Vertrauen auf eben diesen Jesus Christus ausrichten, der von sich selbst einmal gesagt hat: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln!" Menschen, die ihm damals begegnet sind,  haben eine große Veränderung in ihrem Leben erfahren. Sie haben erkennen dürfen, dass die Kraft Christi gerade in den Schwachen mächtig ist und dass ihnen neue Kräfte zuwachsen. Auf einmal sind sie da, diese Kräfte, und sie lassen uns Erstaun-liches vollbringen. Es sind nicht immer die großen Wunder, die uns dann gelingen, sondern es sind häufig die kleinen Gesten, in denen aber eine erstaunliche Wirkung liegt. Zum Beispiel die Zuwendung, die plötzlich  zur heilsamen Nähe wird oder das tröstende Wort, das die trübe Stimmung wegbläst oder die Zeit, die ich teile, die einem anderen hilft, verworrene Gedanken in Ruhe ordnen zu können.


Ich wünsche Ihnen einen Glauben, der beharrlich wie das kleine Licht den derzeitigen Unsicherheiten und Sorgen trotzt. Ich wünsche Ihnen einen Glauben, der daran festhält, dass unsere Hilfe im Namen des Herrn steht, der Himmel und Erde gemacht hat, der Bund und Treue hält ewiglich und nicht preisgibt das Werk seiner Hände. Und ich wünsche Ihnen das feste Vertrauen, dass uns nichts scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn.


Es grüßt Sie herzlich

Ihr  Pfarrer Heiko Schmitz


Dienstag, 23. März 2020


Ein Wort der Zuversicht

 

Was wir in diesen Tagen erleben, erscheint uns geradezu unwirklich. Nie hätten wir vor wenigen Wochen geglaubt, dass uns solches widerfahren könnte.

Doch nun erleben wir Gefährdungen und Beschränkungen und müssen mühsam lernen, uns darauf einzustellen. Alles erscheint so verhältnislos, weil ja auch die engsten familiären, freundschaftlichen, beruflichen Beziehungen auf den Prüfstand gestellt werden.

Dazu kommt: In unseren Einstellungen und unsern Handlungen fühlen wir uns beschnitten. Wir spüren Begrenzungen und wissen doch auch um die Notwendigkeit. Um die Not wenden zu können, die die Gefährdungen durch das Corona- Virus- weltweit ausgelöst hat, müssen wir uns in Zurückhaltung üben: statt Nähe nun Distanz.

Wir fragen und suchen. Befürchten treiben uns um. Auch vor Angst sind wir nicht gefeit.

Verzagtheit und Furcht sind natürlich keine guten Ratgeber in Bedrängnis, Drangsal und hoffnungsloser Aussicht. Gegen Frucht und Angst, gegen Verzagtheit ist wohl kein Kraut gewachsen

 

Aber ein guter Geist ist uns gegeben. Ein guter Geist, der dagegen angeht, was uns lähmt und zaghaft werden lässt. Im 2. Timotheusbrief (1,7) heißt es:

 

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,

sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

 

Dieser gute Geist ist sozusagen die Mitgift Gottes auf unserem Weg durch eine bedrohliche Zeit, die noch keine wirklich Perspektive zu bieten scheint.  Der Geist Christ – das meint Atem, Berührung, Bewegung, Anstoß, Antrieb, Dynamik. Stillstand, Verharren, Zögern, Gleichgültigkeit, Verzagen, Verschweigen – das alles ist nicht die Sache des Geistes.

 

Und weil es enorm wichtige Handlungsfelder sind, die auf uns warten, begabt uns Gott mit dem Geist der Kraft. Der Geist der Kraft ist der aufbrechende Keim, der sich ausstreckt und wurzeln will, der dem Licht entgegenwächst und Blüten treibt und Früchte bringt. Er macht uns fähig, der Geist der Kraft: Glaubensfähig, handlungsfähig, teilnahmefähig, leidensfähig, widerstandsfähig,

Ja, der Geist der Kraft weckt Fähigkeiten. Auch solche, die schon längst verkümmert sind. Sie brauchen nur erneut einen belebenden Antrieb. Und dann gibt’s das Wunder der Erneuerung. Und siehe da, die Bereitschaft „Not-wendiges“ zu tun, ist wieder da. Erstarrtes, Gewohntes, Verworrenes, Verdorbenes, Ver-schuldetes wird aufgebrochen. Ein erster Schritt.

 

Der Geist der Liebe rüttelt und schüttelt nicht. Er tastet mehr. Er weckt Gefühle. Und berührt das Herz.

Herzensangelegenheiten sind immer bewegend. Sie bringen Gott erneut ins Spiel: Denn Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott uns Gott in ihm!

Der Geist der Liebe lässt uns nie fertig werden. Er macht uns ideenreich und neugierig. Er setzt auf Ver-trauen und tut dies erst einmal vorbehaltlos. Er fragt nicht zuerst nach dem Warum, Wozu und Weshalb, denn das wäre der Beginn eines Geschäftes und das Ende der Liebe.

Der Geist der Liebe findet sich nicht so einfach mit den Zuständen und Gegebenheiten ab. Er fragt nach, sucht nach Lösungen –weil, er ist auf Einvernehmlichkeit aus. Und er übernimmt Verantwortung.

 

Der Geist der Besonnenheit ist wie der ruhige Atem, der uns sachlich und gelassen bleiben lässt: Bei aller Kraft und Liebe. Dieser gute Geist hält die Dinge im Lot. Gewichtet und nuanciert. Macht nachdenklich.

Das ist wichtig, damit wir uns nicht zu viel zumuten. Deshalb schenkt uns der Geist der Besonnenheit die Fähigkeit, auf uns acht zu geben, ohne andere aus dem Blick zu verlieren. Er schult das Sehen, Hören und Begreifen. Führt zur Wachsamkeit. Schenkt uns Nüchternheit, Realitätssinn, Vernunft und Augenmaß beim Wahrnehmen unseres Auftrages. Ja, er übt das Maßhalten.

 

Es ist uns viel mitgegeben. Viel Ermutigendes, Anregendes, Erbauliches.

Davon leben wir. Davon zehren wir. Daran glauben wir.

 

Lassen Sie uns in diesen unwirklichen Zeiten diese heilsamen Beziehungen nichts aufs Spiel setzten.


Lassen Sie uns daran mitarbeiten. Der Geist Gottes wird uns anleiten.


Der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

 

Es grüßt Sie 

Ihr Pfarrer Heiko Schmitz