Gemeinde leben

Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis

 
 

Worte der Zuversicht


Freitag, 03. April 2020


Ein Wort der Zuversicht


Manchmal gibt es Worte, die wehen wie aus einer fernen Welt zu uns herüber. Und dann spüren wir:  Ja, wie aus einer fernen Welt, und uns doch so vertraut, so nah, so unmittelbar, so hilfreich, so tröstlich, so ansprechend, gerade jetzt, gerade so. Wie aus einer fernen Welt und die Bilder sprechen für sich, sie sprechen für mich, sie halten mich fest, ich spüre: „Halte dich an mich, ich bin da, ich bin dein Fürsorger.“ Wie aus einer fernen Welt und es  ist ein Wort der Zuversicht für Dich, für mich.


Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirte,  mir wird nichts mangeln.  
Er weidet mich auf einer grünen Aue  und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.  
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,  fürchte ich kein Unglück;    
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch  im Angesicht meiner Feinde.    
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.  
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,  
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Das Empfinden,  finstere Täler durchschreiten zu müssen und das Gefühl, fremdbestimmt zu sein,  beein-flussen  in diesen  Tagen  der durchaus realen Bedrohungslage zweifelsohne unsere Gedanken. Nachdenk-lichkeit bestimmt unsere Handlungen, die sozialen Kontakte sind von Vorsicht geprägt. Wir gönnen uns kein Aufatmen mehr, erleben uns mehr als Getriebene, denn als frei Agierende. Und die ganz neue Erfahrung für viele lautet: bedeutet die gefühlte Mangelerfahrung im Versorgungsbereich auch, dass materielle und finan-zielle Einschränkungen  im persönlichen Umfeld zu erwarten sind. Diese Fragen verunsichern und werfen uns im schlimmsten Fall auf die Grundangst des Verlorengehens zurück.


Diese Angst ist unbegründet. Der Psalm 23 die Gewissheit unserer Väter und Mütter, dass wir trotz allem Widerfahrnis gehalten und geborgen sind. Da sind die alten Bilder, in denen sich Lebenskraft und Lebens-geist äußert.


Der gute Hirte: Dir wird nichts mangeln - sei getrost. Was deinen Sinnen mangelt, was dein Leben trägt, das wird bereitet. Darum sorge dich nicht. Ich bin da, ich halte Ausschau, ich wache, ich umsorge dich.


Die grünen Auen und das frische Wasser, die Erfrischung, der Schatten, der Duft der Blumen: Das alles, damit wir durchatmen können, damit wir an Leib und Seele neu werden, erquickt werden.  Damit wir wieder die Ärmel hochkrempeln können. Damit wir einen klaren Kopf bekommen. Damit unsere Augen und Ohren, unser Herz und unsere Sinne ermuntert  werden.


Der Stecken und Stab: Da gehen andere ein Stück unseres Weges mit. Da gibt es Erfahrungen und Weis-heiten, die uns helfen mögen. Da gibt es Antworten auf unsere Lebensfragen,  auch Trost, auch Mitgefühl.


Ein gedeckter Tisch: Ein vertrauter Ort. Ein Ort, an dem mir Wohltat geschieht. Ein Dienst, den einer für mich tut. Einmal nicht selber sorgen und besorgen müssen. Andersherum: sich Gutes tun lassen. Belastungen werden sich fügen. Es kommt alles ins Lot. Es ist genug für alle da. Der Fürsorge Gottes dürfen wir gewiss sein.


Das Haus Gottes: Die alte Geschichte, dass Gott uns nachgeht und nicht aus den Augen lässt. Dass er uns behaust und in der Nähe Gottes Gutes und Barmherzigkeit um uns sind und wo  Gott uns sagt, dass unser Eingang und Ausgang gesegnet ist und wir unter dem Geleit Gottes stehen.


Ja, die alten Lieder und Geschichten. Bisweilen spüren wir, dass sie sich für uns ganz neu, ganz anderes entfalten. Deshalb noch einmal der Psalm 23  ein wenig anders gesprochen:


Die Zuneigung Gottes umgibt mich, seine Sorge gilt meinem Leben.  
Die Zuneigung Gottes umgibt mich, was kann da noch geschehen?
Er sorgt sich darum, dass ich Ruhe und Heimat finde, dass ich aufatmen kann und mich erfrischen.  
Er kennt meine Sehnsüchte und Gedanken  und begleitet mich auf allen Wegen meines Lebens.
In den Stunden der Einsamkeit, Trauer, in Dunkelheit und Verzweiflung    ist er neben mir, umgibt mich mit Hoffnung.  
Er gibt mir, was ich zum Leben brauche.  Gott geleitet mich, bis ich mein Ziel erreiche,
die Heimat in seiner Liebe“


Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Heiko Schmitz




Freitag, 27. März 2020


Ein Wort der Zuversicht


In einem Winkel der Welt kauerte verbissen, trotzig und freudlos eine dicke, schauerliche Finsternis. Plötzlich erschien in dieser Not ein kleines Licht – klein - aber ein Licht. Jemand hatte es hingestellt. Es war einfach da und leuchtete.

Einer, der vorüberging, meinte: "Du ständest besser woanders als in diesem abgelegenen Winkel".

Warum?", fragte das Licht. "Ich leuchte, weil ich Licht bin, und weil ich leuchte, bin ich Licht. Ich  leuchte, weil es mir Freude macht, Licht zu sein."

Aber die düstere Finsternis ging Zähne knirschend und wütend gegen das Licht an.  Und doch war die ganze große Finsternis machtlos gegen das winzige Licht.


Auch wenn der Frühling sich mit Macht zu Wort meldet, auch wenn die Knospen treiben, auch wenn die Farben der Natur die Botschaft vom Aufbruch des neuen Lebens künden, auch wenn die Sonnenstrahlen Wärme und Licht bringen,  es ist, als ob sich eine Finsternis über das Land gelegt hat, die unser Denken, Fühlen und Gestalten mit der bangen Frage beschäftigt, was alles noch kommen wird, worauf wir uns einzustellen haben, wie sehr die große Herausforderung der Pandemie werausfordwrung der Pandemieunser persönliches Lebensumfeld betrifft. Wir richten uns ein so gutes geht und können doch nicht so, wie wir gerne möchten.

Und doch  sind da Lichtblicke. Und doch leuchtet es auf – gerade jetzt, gerade hier.

Es gibt viele Menschen, die da sind, weil sie gebraucht werden in den Gesundheitsdiensten, Praxen, Krankenhäusern, in den Geschäften, in der Logistik, in der Versorgung und Entsorgung, in der Beglei-tung und Unterstützung. Es gibt viel Wohlwollen, es gibt viel Bereitschaft, es gibt tolle Ideen und es gibt so viel Hilfe.

Da kann sich die Gefährdung durch das Corona-Virus tollkühn gebärden, die Herzlichkeit und Aufmerksamkeit unserer Tage lässt aufatmen und durchatmen, bringt auch neue Kräfte ins Spiel.


Ihr seid das Licht der Welt“,


sagt Jesus zu den Menschen, die mit ihm auf dem Weg sind. Er traut Ihnen viel zu. Vermutlich haben sie auf ihrem Weg mit Jesus mehr Fragen als Antworten. Aber Jesus macht sie stark.

Die Welt braucht eure Hoffnungslichter und euren Glauben, der sich auch in der Dunkelheit bewähren kann. Die Welt braucht eure Barmherzigkeit, euren Friedenswillen, euren Sinn für Gerechtigkeit, euer Einfühlungsvermögen. Denn das sind die Lichter, die unserer Welt guttun.

Diese Lichter bringen Wärme in unsere Tage, die uns trotz Frühlingssonne frösteln lassen. Diese Lichter sind wohltuend, weil sie die Einsamkeit vertreiben und die Angst und das Zittern. Diese Lichter bringen uns zusammen,  sie bringen uns auch weiter, lassen uns erwartungsvoll über den Tag hinausschauen. Sie ermutigen, atmen sie doch die Gewissheit, dass in bedrückter Stimmung immer auch Erleichterung zu erfahren ist.


Spürbarbar wird  diese Erleichterung umso mehr, wenn wir  dem Geiste Christi Raum geben. Wenn wir in unserem  Tun und Lassen unser Hoffen und Vertrauen auf eben diesen Jesus Christus ausrichten, der von sich selbst einmal gesagt hat: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln!" Menschen, die ihm damals begegnet sind,  haben eine große Veränderung in ihrem Leben erfahren. Sie haben erkennen dürfen, dass die Kraft Christi gerade in den Schwachen mächtig ist und dass ihnen neue Kräfte zuwachsen. Auf einmal sind sie da, diese Kräfte, und sie lassen uns Erstaun-liches vollbringen. Es sind nicht immer die großen Wunder, die uns dann gelingen, sondern es sind häufig die kleinen Gesten, in denen aber eine erstaunliche Wirkung liegt. Zum Beispiel die Zuwendung, die plötzlich  zur heilsamen Nähe wird oder das tröstende Wort, das die trübe Stimmung wegbläst oder die Zeit, die ich teile, die einem anderen hilft, verworrene Gedanken in Ruhe ordnen zu können.


Ich wünsche Ihnen einen Glauben, der beharrlich wie das kleine Licht den derzeitigen Unsicherheiten und Sorgen trotzt. Ich wünsche Ihnen einen Glauben, der daran festhält, dass unsere Hilfe im Namen des Herrn steht, der Himmel und Erde gemacht hat, der Bund und Treue hält ewiglich und nicht preisgibt das Werk seiner Hände. Und ich wünsche Ihnen das feste Vertrauen, dass uns nichts scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserem Herrn.


Es grüßt Sie herzlich

Ihr  Pfarrer Heiko Schmitz


Dienstag, 23. März 2020


Ein Wort der Zuversicht

 

Was wir in diesen Tagen erleben, erscheint uns geradezu unwirklich. Nie hätten wir vor wenigen Wochen geglaubt, dass uns solches widerfahren könnte.

Doch nun erleben wir Gefährdungen und Beschränkungen und müssen mühsam lernen, uns darauf einzustellen. Alles erscheint so verhältnislos, weil ja auch die engsten familiären, freundschaftlichen, beruflichen Beziehungen auf den Prüfstand gestellt werden.

Dazu kommt: In unseren Einstellungen und unsern Handlungen fühlen wir uns beschnitten. Wir spüren Begrenzungen und wissen doch auch um die Notwendigkeit. Um die Not wenden zu können, die die Gefährdungen durch das Corona- Virus- weltweit ausgelöst hat, müssen wir uns in Zurückhaltung üben: statt Nähe nun Distanz.

Wir fragen und suchen. Befürchten treiben uns um. Auch vor Angst sind wir nicht gefeit.

Verzagtheit und Furcht sind natürlich keine guten Ratgeber in Bedrängnis, Drangsal und hoffnungsloser Aussicht. Gegen Frucht und Angst, gegen Verzagtheit ist wohl kein Kraut gewachsen

 

Aber ein guter Geist ist uns gegeben. Ein guter Geist, der dagegen angeht, was uns lähmt und zaghaft werden lässt. Im 2. Timotheusbrief (1,7) heißt es:

 

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,

sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

 

Dieser gute Geist ist sozusagen die Mitgift Gottes auf unserem Weg durch eine bedrohliche Zeit, die noch keine wirklich Perspektive zu bieten scheint.  Der Geist Christ – das meint Atem, Berührung, Bewegung, Anstoß, Antrieb, Dynamik. Stillstand, Verharren, Zögern, Gleichgültigkeit, Verzagen, Verschweigen – das alles ist nicht die Sache des Geistes.

 

Und weil es enorm wichtige Handlungsfelder sind, die auf uns warten, begabt uns Gott mit dem Geist der Kraft. Der Geist der Kraft ist der aufbrechende Keim, der sich ausstreckt und wurzeln will, der dem Licht entgegenwächst und Blüten treibt und Früchte bringt. Er macht uns fähig, der Geist der Kraft: Glaubensfähig, handlungsfähig, teilnahmefähig, leidensfähig, widerstandsfähig,

Ja, der Geist der Kraft weckt Fähigkeiten. Auch solche, die schon längst verkümmert sind. Sie brauchen nur erneut einen belebenden Antrieb. Und dann gibt’s das Wunder der Erneuerung. Und siehe da, die Bereitschaft „Not-wendiges“ zu tun, ist wieder da. Erstarrtes, Gewohntes, Verworrenes, Verdorbenes, Ver-schuldetes wird aufgebrochen. Ein erster Schritt.

 

Der Geist der Liebe rüttelt und schüttelt nicht. Er tastet mehr. Er weckt Gefühle. Und berührt das Herz.

Herzensangelegenheiten sind immer bewegend. Sie bringen Gott erneut ins Spiel: Denn Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott uns Gott in ihm!

Der Geist der Liebe lässt uns nie fertig werden. Er macht uns ideenreich und neugierig. Er setzt auf Ver-trauen und tut dies erst einmal vorbehaltlos. Er fragt nicht zuerst nach dem Warum, Wozu und Weshalb, denn das wäre der Beginn eines Geschäftes und das Ende der Liebe.

Der Geist der Liebe findet sich nicht so einfach mit den Zuständen und Gegebenheiten ab. Er fragt nach, sucht nach Lösungen –weil, er ist auf Einvernehmlichkeit aus. Und er übernimmt Verantwortung.

 

Der Geist der Besonnenheit ist wie der ruhige Atem, der uns sachlich und gelassen bleiben lässt: Bei aller Kraft und Liebe. Dieser gute Geist hält die Dinge im Lot. Gewichtet und nuanciert. Macht nachdenklich.

Das ist wichtig, damit wir uns nicht zu viel zumuten. Deshalb schenkt uns der Geist der Besonnenheit die Fähigkeit, auf uns acht zu geben, ohne andere aus dem Blick zu verlieren. Er schult das Sehen, Hören und Begreifen. Führt zur Wachsamkeit. Schenkt uns Nüchternheit, Realitätssinn, Vernunft und Augenmaß beim Wahrnehmen unseres Auftrages. Ja, er übt das Maßhalten.

 

Es ist uns viel mitgegeben. Viel Ermutigendes, Anregendes, Erbauliches.

Davon leben wir. Davon zehren wir. Daran glauben wir.

 

Lassen Sie uns in diesen unwirklichen Zeiten diese heilsamen Beziehungen nichts aufs Spiel setzten.


Lassen Sie uns daran mitarbeiten. Der Geist Gottes wird uns anleiten.


Der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

 

Es grüßt Sie 

Ihr Pfarrer Heiko Schmitz